Montag, 27. November 2017

Film-Rezension: God's Own Country


Der neue „Brokeback Mountain"

Inhalt
Der Film erzählt die Geschichte von Johnny, der in der Einöde Englands auf einem Bauernhof lebt und arbeitet. Sein Vater ist nach einem Schlaganfall kaum mehr in der Lage, mitzuhelfen und außer den beiden gibt es nur noch die Großmutter, die tut was sie kann. Johnny hasst sein Schicksal und verhält sich oft daneben. Jede Nacht lässt er sich in einem Pub in der Stadt voll laufen und hat Sex mit jedem jungen Mann, den er finden kann. Als die Schafe anfangen zu gebären, benötigt die Familie dringend Hilfe. Sie engagieren einen jungen Rumänen namens Gheorghe, der als Wanderarbeiter auf Höfen aushilft. Johnny behandelt ihn anfangs schlecht, auch weil er sich von ihm bedroht fühlt. Doch Gheorghe lässt sich nicht alles gefallen und bietet dem jungen Engländer die Stirn. Daraufhin befreunden sich die beiden immer mehr und nach und nach beginnt erst eine sexuelle und schließlich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden.

Bewertung
Die Geschichte wirkt sehr realitätsnah. Man sieht viele Aspekte des Lebens auf dem Bauernhof sehr deutlich und unzensiert, etwa die Geburt von Tieren und das Häuten eines verstorbenen Lamms. Die harte Arbeit und der ewige Kampf ums Auskommen wird sehr authentisch dargestellt. Auch die Darstellung sexueller Kontakte zwischen Männern wird sehr realistisch umgesetzt. Die Geschichte zeigt viele emotionale Facetten und mündet schließlich in ein Happy End, das gerade bei LGBT Filmen so oft ausbleibt. Eine klare Empfehlung!

Samstag, 11. November 2017

Rezension: Daniel H. Wilson - Robocalypse

Maschine gegen Mensch - der altbewährte Kampf erfindet sich neu

Inhalt

Cormac Wallace, genannt „Brightboy“, befindet sich zu Beginn des Romans auf den Ragnorak Intelligence Fields in Alaska und schlägt die letzte Schlacht gegen die endlich besiegten Roboter. Kurz darauf finden er und seine Männer tief im Eis einen Würfel – ein Roboter mit allen Aufzeichnungen der Revolte. Wallace entschließt sich dazu, das Gedankengut als Buch niederzuschreiben, da man nicht vergessen sollte, was während des Krieges geschehen ist und welche Personen sich im Kampf um das Überleben besonders hervorgetan haben. Es geht vor allem um die Nacherzählung verschiedener Heldengeschichten, die dieses Maschinenwesen während des gesamten Krieges beobachtet, mitgeschnitten und abgespeichert hat.

Man erfährt schon im ersten Kapitel, dass die befehlshabende Gewalt hinter den Robotern „Archos“ genannt wird – er wurde von Dr. Nicholas Wasserman programmiert und ist bereits die 14. Version, da die restlichen 13 Experimente vernichtet wurden. Das Problem dabei war, dass die künstlichen Intelligenzen _zu_ intelligent geworden waren. Prof. Wasserman erkannte die gefährlichen Tendenzen der Roboter, eigenständiger zu werden, und zerstörte seine Experimente rechtzeitig. Das gelingt ihm allerdings bei Archos nicht mehr, der sich über seine Vorgänger hinaus entwickelt und aus dem Labor fliehen kann, nicht jedoch ohne zuvor Dr. Wasserman getötet zu haben.

Die Maschinen sind von diesem Zeitpunkt an der Meinung, die Menschheit müsse ausgerottet werden, da sie selbst gefährlich für die Natur und das Wissen in den Lebewesen ist – der Mensch neigt dazu, alles zu töten, was die Roboter nun nicht mehr zulassen. Stattdessen beginnen sie selbst damit, alle Menschen umzubringen, die sie auf ihrem Weg durch die Städte finden können. Anfänglich begreifen die Menschen noch nicht, was mit ihnen passiert, da sie nicht wahrhaben können, dass ihre Technik sich tatsächlich gegen sie wendet. Schließlich aber beginnt ein erbitterter Kampf ums Überleben.

Die einzelnen Kapitel des Romans werden völlig unterschiedlich erzählt. Es wird nicht nur die übliche Prosa-Nacherzählung verwendet, sondern es spielen auch andere Textsorten eine große Rolle: Verhörprotokoll, Tagebücher, Interviews, Telefongespräche – jede einzelne Erzählung wird auf seine eigene Art geschildert. Zudem gibt es eine Einleitung jedes Kapitels in Form eines Zitats, was einen interessanten Ausblick auf den Inhalt gibt.

Nicht nur die Textsorten stechen sprachlich ins Auge, der Autor verwendet auch unterschiedliche Sprachebenen. Wenn sich Personen unterschiedlicher gesellschaftlicher oder Bildungsebene unterhalten, wird das auch in der verwendeten Sprache wiederzugeben versucht. Oftmals sprechen die Menschen im Dialekt, dann wieder in Fachsprache oder in Fremdsprachen. Das führt zu einer sehr realitätsnahen Erzählung, in der man sich mehr als nur einmal mit blutigen Szenen konfrontieren muss, die man aufgrund der geschickten Schilderung sehr gut nachfühlen kann.


Kritik / Empfehlung

Obwohl das Buch und seine Handlung an zahlreiche bereits existierenden Filme und Geschichten erinnert, erfindet es die inhaltliche Substanz auf seine eigene Art und Weise neu – es handelt sich nicht um eine typische lineare Geschichte. Von Anfang an wird in Form eines Rückblicks erzählt, was zeigt, dass das Motiv dieses Romans ein völlig anderes ist als das vieler ähnlicher Filme mit solchem Gehalt.

Die LeserInnen wissen von Beginn an, wie die Handlung ablaufen wird, da man bereits im Prolog an der Endschlacht gegen die Roboter teilnimmt. Zudem erfährt man, dass der nachfolgende Roman als Rückblick erzählt wird, um den LeserInnen Einblicke in die Vorgänge zu geben, die überhaupt erst zu dieser ganzen Auseinandersetzung geführt haben. Spannung liegt also, im Unterschied zu den meisten anderen Beschäftigungen mit diesem Genre, nicht im Inhalt. Vielmehr geht es um die Frage, warum die Roboter überhaupt so denken und handeln und ob sie den Mensch mit ihrer Existenz tatsächlich übertrumpfen. Da zu Beginn immer wieder angedeutet wird, dass Mensch und „erwachte“ Maschine auf irgendeine Art koexistieren könnten, bleibt es bis zum Schluss spannend, wie sich die Roboter weiterentwickeln.

Der Roman ist nicht nur vom Inhalt her, sondern auch von seiner äußeren Aufmachung ein Unikat, da die äußeren Ecken abgerundet wurden und dem Buch so ein ganz besonderes und unverwechselbares Aussehen verleihen. Außerdem ist es dadurch angenehm in den Händen zu halten und zu lesen. Es empfiehlt sich sehr für Menschen, die sich für künstliche Intelligenzen und die möglicherweise damit entstehenden Problematiken interessieren. Wer jedoch Angst vor der Zukunft hat, sollte lieber die Finger davon lassen …

Rezension: Casey Hill - Tabu

Eigentlich ist alles ganz anders

Inhalt

Reilly Steel stammt ursprünglich aus Irland, ist aber früh mit ihrer Familie nach Amerika ausgewandert. Sie hat eine schwere Kindheit gehabt, da ihre Mutter Cassie die Familie verlassen hat, als sie und ihre Schwester Jess noch sehr jung gewesen sind. Seit damals hat sich Reilly um ihre Schwester gekümmert und der Familie eine Mutter sein müssen, obwohl sie selbst noch ein Kind gewesen ist.

Durch verschiedene Ereignisse in ihrer Kindheit beeinflusst, wählt sie schließlich den Beruf der forensischen Ermittlerin und wird darin zu einer der besten auf ihrem Gebiet. Sie verliert ihre Schwester durch einen erst spät im Buch beschriebenen Umstand, womit ihr Vater jedoch nicht zurecht kommt und zum Alkoholiker wird. Gemeinsam mit ihm kehrt sie schließlich nach Irland zurück.

Kaum befindet sich Reilly in Dublin, wird sie schon wieder von verschiedensten Morden überhäuft. Tatsächlich stellt sich heraus, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt und auf irgendeine rätselhafte Art und Weise Verbindung zu Sigmund Freud herzustellen versucht. Vor allem Tabus scheinen den Täter zu beschäftigen – er setzt gesellschaftlich hoch verachtete Taten ein, zu denen er seine Opfer zwingt, bevor er sie umbringt. Beispielsweise zählen dazu Homosexualität zwischen heterosexuellen Männern, Suizid, Verwandtenmord, Inzest oder der Verzehr von Menschenfleisch. Zu all dem lassen sich die Opfer tatsächlich hinreißen, weil sie vermutlich glauben, dadurch selbst mit dem Leben davonzukommen, was jedoch nicht der Fall ist.


Reilly bittet schließlich ihren früheren Lehrer Daniel Forrest um Hilfe, der in Amerika zurückgeblieben ist und sich im Werk von Sigmund Freud auskennt. Er kann ihr sehr weiterhelfen und kommt schließlich persönlich nach Irland, als sich herausstellt, dass der Mörder damit beginnt, eine persönliche Verbindung zu Reilly herzustellen. Es zeichnet sich allmählich ab, dass der Mörder mehr und mehr zum Ziel hat, sich am Ende Reilly selbst als Opfer vorzunehmen. Dann wird auch noch Reilly selbst bedroht und ihr Vater entführt …


Sprache und Stil
Sprachlich ist das Werk gut gelungen, es zeichnet sich durch zahlreiche inneren Monologe und direkte Reden aus. Außerdem erfährt man durch viele Rückblicke in die Kindheit von Reilly mehr und mehr von ihrer Familie, was das Verständnis des Thrillers deutlich steigert. Durch diese Tatsache wird auch Spannung aufgebaut, weil die Rückblicke, die in Form von Träumen in aktueller Verbindung mit Reilly stehen, meist unmittelbar Einfluss auf Reillys Ermittlungen nehmen.



Kritik
Spannung wird in dem Thriller dadurch aufgebaut, dass immer wieder Überraschungen und nicht erwartete Wendungen eingebaut werden. Anfangs scheinen diese Lösungen noch vorhersehbar zu sein, dann jedoch gibt es immer mehr überraschende Einwürfe, die man als LeserIn nicht mehr vorhersehen kann. Vor allem das Ende ist anders, als man als LeserIn erwartet – während der Lektüre verdächtigt man zwischenzeitlich die verschiedensten Protagonisten, der Serienmörder oder wenigstens ein Komplize zu sein, doch am Ende wird einem eine Lösung geboten, mit der man wirklich nicht gerechnet hätte.

Zwischendurch wird immer wieder angedeutet, dass sich zwischen Reilly und einem anderen Ermittler – Chris Delaney – eine Liebesbeziehung anbahnt. Zumindest ist schon früh in dem Thriller deutlich, dass sich zwischen ihnen mehr als nur eine gute Freundschaft entwickelt, allerdings wird diese Geschichte nicht zu einem Ende geführt, was am Ende doch etwas enttäuschend übrigbleibt. Es hätte sich durchaus angeboten, nach dem guten Ausgang der Ermittlung damit aufzuhören, es darf jedoch spannend bleiben, ob der Thriller vielleicht eine Fortsetzung erhält.

Außerdem leidet Officer Delaney an einer seltsamen Krankheit, zumindest hat er starke Schmerzen in den Gelenken, obwohl er sehr gesund lebt und häufig trainiert. Als er Reilly bittet, sein Blut zu untersuchen, glaubt man als LeserIn, dass sich eine spektakuläre Erkenntnis anbahnt – leider jedoch bleibt auch hier die Antwort auf die mysteriösen Umstände offen. Die Erklärung, Reilly könne mit den eigenartigen Ergebnissen nichts anfangen – schließlich ist sie keine Ärztin – ist noch zufriedenstellend, am Ende des Werkes wird jedoch einfach gesagt, dass sich bisher nichts als Antwort ergeben hat und dass wohl vorerst ungeklärt bleiben muss, woran Chris leidet. Hier erscheint es fast so, als wüssten die Autoren selbst nicht, wie sie ihre langsam entwickelte Krankheit nun zu einem sinnvollen Abschluss bringen und logisch erklären sollten. Dabei war die Beschreibung von Delaneys Zuständen durchaus spannend, man hätte sich sehr über eine Erklärung gefreut.



Empfehlung
Der Thriller wird seinem Namen wirklich gerecht, man ist die ganze Zeit über sehr gespannt, wie es weitergehen wird und wer nun tatsächlich der Serienmörder ist – beziehungsweise, was er mit seinen eigenartigen Hinweisen auf Sigmund Freud eigentlich plant, denn dass er nicht einfach nur geistesgestört ist, wird spätestens dann klar, als er Reilly persönlich in seine Taten hineinzieht.

Die Spannung wird durchgehend so gekonnt aufrecht erhalten, dass man das Buch besser nicht am Abend vor dem Schlafengehen lesen sollte – es könnte sein, dass man jedes noch so bekannte Geräusch dann diesem fiktiven Serienmörder zuschreibt!

Rezension: Gisa Klönne - Nichts als Erlösung

Erlöse mich von der Vergangnheit

**1)       ** **Inhalt**



Judith Krieger ist eine Kriminalermittlerin, die durch Zufall frühmorgens an einen Tatort kommt – Jonas Vollenweider, ein ausgewanderter Deutscher, der nur für ein paar Tage wieder im Land hätte sein wollen, liegt erschossen unter einer Eisenbahnbrücke. Durch die Ermittlungen kommt heraus, dass er der Letzte seiner Familie gewesen ist – Eltern und die Schwester wurden vor zwei Jahrzehnten von einem Unbekannten ermordet, die Leichen jedoch nie gefunden. Obwohl Jonas damals als Mordverdächtiger gegolten hatte, kann ihm jedoch nie etwas nachgewiesen werden.

Im Zuge der Untersuchungen wird immer deutlicher, dass Jonas tatsächlich nicht der Mörder von damals sein kann. Der echte Täter schickt Judith Krieger immer wieder Fotos, die verschiedene Tatorte zeigen, sodass die Polizei ihm langsam auf die Schliche kommt. Die Leichen werden weit entfernt in einem Waldstück gefunden und es stellt sich heraus, dass Miriam, Jonas’ Schwester, eine Affäre mit einem älteren Mann gehabt hatte, der für die Taten verantwortlich sein könnte.

Zusätzlich zu dieser Geschichte gibt es da noch Eric Sievert und seine Familie. Als illegaler Schatzsucher in der sumpfigen Au unterwegs, findet er immer wieder Artefakte, die er eigentlich den Behörden übergeben müsste, sie stattdessen aber gewinnbringend verkauft. Eines Tages findet er eine goldene Kette, die er seiner Frau schenkt. Es stellt sich heraus, dass das Schmuckstück eigentlich Miriam gehört hat, die es von ihrem älteren Freund geschenkt bekommen hatte. Allmählich ergibt sich eine Verbindung zwischen Eric Sievert und dem Ermittlerteam.

Sieverts guter Freund Kurt gerät schließlich ins Visier der Ermittlungen. Er war in einem Kinderheim aufgewachsen, was im Zuge des Romans mehr und mehr eine bedeutsame Rolle spielen wird. Die Kinderheime der 80er Jahre – eines davon ist das Heim Frohsinn, in welchem Jonas Vollenweiders Eltern früher als „Heimeltern“ gearbeitet hatten – waren weniger dazu da, den Waisen eine angenehme Kindheit zu bereiten, als sie als billige Arbeitskräfte auszubeuten und ihnen jegliches Recht auf Freiheit und eigenen Willen zu nehmen. Zu allem Überfluss findet die Polizei schließlich auch noch zahlreiche Kinderleichen, die im Gemüsebeet des inzwischen zur Ruine verfallenen Hauses Frohsinn verscharrt worden waren und bis heute Spuren von Misshandlungen aufweisen.

Judith Krieger kommt des Lösung des Falls indessen bei Jonas Vollenweiders hinterlassenen hochschwangeren Frau auf Griechenland näher. Sie erzählt von dieser goldenen Kette, die sich als wichtiges Schlüsselelement zur Lösung des Falls herausstellen wird. Früher hatte es einem Heimkind namens Rudi gehört und ein Foto seiner Mutter enthalten. Nachdem es ihm von den Vollenweiders brutal weggenommen worden war, entwickelte dieser einen Mutterkomplex und entschließt sich schließlich dazu, sich an den herzlosen Heimeltern Vollenweider zu rächen. Doch was ist mit Miriam? Ist sie vielleicht noch am Leben? Wer verbirgt sich hinter dem nichtssagenden Vornamen „Rudi“? Ist der Täter vielleicht die ganze Zeit über ganz in der Nähe?



**2)       ** **Stilistisches und Sprachliches**



Das Werk ist von Beginn bis zum Ende im Präsens geschrieben. Dadurch wird zwar ein besonderer Stil ausgedrückt, allerdings fällt es anfangs schwer, sie an diese Art der Erzählung zu gewöhnen. Andererseits jedoch ist der Zweck dieser sprachlichen Methode natürlich klar – die LeserInnen sollen unmittelbar das miterleben, was auch die Protagonisten erfahren. Diese Unmittelbarkeit des Geschehens kann anders nur schwer ausgedrückt werden.



Im Buch werden verschiedene Perspektiven verwendet, sodass man nicht nur aus der Sicht von Judith Krieger liest, sondern viele verschiedene Protagonisten auf ihren Wegen begleitet und damit größere Zusammenhänge als die Einzelpersonen erkennen kann.



**3)       ** **Kritik**



Bis zuletzt strotzt der Roman vor Spannung. Als LeserIn wird man immer wieder auf die falsche Fährte geführt und weiß bis zuletzt nicht, wer tatsächlich der Täter gewesen ist. Als die Auflösung schließlich geboten wird, steht man wirklich einer Überraschung gegenüber.



Zudem leistet das Werk einen wichtigen Beitrag zur Bewusstmachung der Zustände in damaligen Kinderheimen. Ich persönlich hatte davor nie über die dramatischen Misshandlungen in solchem Ausmaß gehört. Gisa Klönne gelingt es, diese verdrängten Tatsachen wieder in Erinnerung zu rufen und die LeserInnen dazu aufzurufen, sich Gedanken um dieses Thema zu machen, um damit vielleicht wenigstens manchen der Opfer von damals ihren Tribut zu zollen.

Rezension: Ransom Riggs - Die Insel der besonderen Kinder

Wahrnehmung ist subjektiv

 **1)       ** **Inhalt**

** **

Abraham Portman, der Großvater von Jacob, wird auf bestialische Art und Weise in einem Waldstück hinter seinem Haus ermordet. Zu allem Überdruss findet ihn sein eigener Enkel sterbend, der daraufhin einen Schock davonträgt. Außerdem geht irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu: Jacob sieht eine eigenartige, grauenhafte Gestalt im Wald verschwinden. Eines der Monster, von dem sein Großvater stets erzählt hat?



Abe Portman berichtet seinem Enkel seit dessen Kindesbeinen von einer Insel, auf der besondere Kinder leben sollen. Was Jacob anfangs als Märchen abtut – Geschichten von fliegenden, unsichtbaren, unglaublich starken oder anders begabten Kindern – entpuppt sich mehr und mehr als gar nicht so erfunden, wie er gedacht hat. Zwar wird ihm während einer psychologischen Behandlung von Dr. Golan eingetrichtert, dass er sich das Monster im Wald nur eingebildet hat, dennoch geht Jacob der Sache nach.

Gemeinsam mit seinem Vater besucht der Junge in den folgenden Ferien eine Insel, auf der das Kinderhaus von damals steht. Obwohl es sich um ein verfallenes Gebäude handelt, fühlt sich Jacob unerklärlich angezogen von der Ruine und findet sogar alte Fotos – solche, die ihm auch sein Großvater immer wieder als Beweis für seine Geschichten vorgelegt hat. Und tatsächlich begegnen ihm plötzlich Kinder in der längst nicht mehr bewohnten Stätte. Als er einem Mädchen daraufhin durch das Moor folgt, landet er bei einer Steinformation, durch die man hindurchkriechen kann – und da ergibt endlich alles einen Sinn. Jacob landet tatsächlich auf der Insel der besonderen Kinder, nur leben diese nicht im Heute, sondern im Jahr 1940 – in einer Zeitschleife, die von der Kinderheimleiterin Miss Peregrine angelegt worden ist.



Was Jacob zuerst nicht glauben kann, wird mehr und mehr zur Realität. Die Kinder, von denen sein Großvater erzählt hat, gibt es wirklich. Sie leben hier und verstecken sich in einer Zeitschleife von den Monstern, die Jacobs Opa ebenfalls immer beschrieben hat. Von der Leiterin erfährt der Junge, was hier eigentlich los ist: dass es zwei verschiedene Entwicklungslinien der Menschen gibt und dass eine davon mit diesen besonderen Fähigkeiten ausgestattet ist. Da es allerdings böse Wesen gibt, die den Tod der Besonderen anstreben, ist es notwendig, sich geschickt zu verstecken. Auch Jacob gehört zu den besonderen Kindern – als der einzige dieser Gruppe kann er die Monster sehen, während alle anderen nur den Schatten wahrnehmen können.

Unglücklicherweise stellt sich heraus, dass Jacob unwissentlich dafür gesorgt hat, dass die Zeitschleife seines Großvaters an die Monster verraten wird. Schon seit geraumer Zeit ist der Junge von einem Begleiter dieser Monster verfolgt worden – er kennt ihn als Psychologen Dr. Golan, allerdings auch als Busfahrer aus seiner Schulzeit und als Nachbar seines Großvaters. Dr. Golan hatte all dies schon lange geplant und Jacob beobachtet, um eines Tages an das Versteck der besonderen Kinder heranzukommen. Mit Jacobs Hilfe gelingt ihm das nun auch.

Die Kinder jedoch wehren sich. Zwar wird Miss Peregrine entführt, kann jedoch befreit werden. Unglücklicherweise ist sie nicht die einzige, die in die Hände der Monster gerät – auch andere Leiterinnen von Zeitschleifen werden gefangen genommen, ihr Schicksal ist ungewiss. Aus diesem Grund entscheiden die besonderen Kinder, dass es an der Zeit ist, ihr sicheres Versteck zu verlassen – sie beenden den 3. September 1940 und gehen hinaus in die Welt. Jacob lässt sein bisheriges Leben im 21. Jahrhundert hinter sich, um sich seinem Volk anzuschließen.



**2)       ** **Sprache / Stil**

** **

Die direkte Rede beherrscht das Buch von Anfang bis zum Ende. Zu Beginn des Werks sind es die Geschichten, die der Großvater seinem Enkel erzählt, am Ende ist es die Geschichte selbst, die in direkter Rede von den ProtagonistInnen erzählt wird. Dadurch gelingt es dem Autor auf eine ganz besondere Art und Weise, ein stilistisches Meisterwerk zu schaffen. Es ist nicht notwendig, viel durch Details des Erzähler-Ichs zu erklären, alle notwendigen Fakten werden von den Hauptpersonen selbst erzählt. So ist es auch Miss Peregrine, die Jacob und den LeserInnen erklärt, was hier eigentlich vorgeht. Was Jacob nicht weiß, können auch die LeserInnen nicht wissen.

Interessant ist außerdem, dass die Kinder eigentlich nach wie vor im Jahr 1940 leben, während Jacob aus einer weit entfernten Zukunft zu ihnen kommt. Obwohl das Leben hier für ihn außergewöhnlich und neu ist, sind es seine Erzählungen für die Kinder. Begierig saugen sie alles auf, was er ihnen von der fabelhaften Zukunft, die für ihn ganz und gar nicht so magisch ist, erzählen kann. Darunter fällt vor allem die Technik, von der die Kinder ihre ganz eigenen futuristischen Vorstellungen haben. Umso begeisterter sind sie, als Jacob ihnen sein Handy zeigt und außerdem erklärt, wie seine Welt funktioniert. Der Autor hat es geschafft, all das sprachlich in direkte Reden zu verpacken und die Diskrepanz zwischen beiden Lebensformen auf diese Art und Weise deutlich zu machen.



**3)       ** **Kritik**



Dem Roman gelingt es geschickt, die LeserInnen zuerst völlig in die Irre zu führen: Mehr und mehr geht man mit der Meinung des Psychologen Dr. Golan konform, der Jacob einreden will, dass sich alles nur um eine psychotische Einbildung handelt. Auch die Erklärung des Vaters, Großvater Abrahams Monster seien in Wirklichkeit schlichtweg die Nazis, erscheint plausibel. Umso mehr erstaunt es schließlich, dass es sich ganz und gar nicht um eine Sinnestäuschung handelt. Tatsächlich gibt es diese Insel und die Monster. Der Fantasy-Part lässt sich also überraschender Weise doch noch genießen.



Besonders interessant ist die Tatsache, dass der Roman durchgehend von Bildern unterlegt wird. Darauf sind die Bewohner der Insel, jedoch auch andere Personen in Form von Fotographien zu sehen, die für die Handlung der Geschichte eine bedeutsame Rolle spielen und immer wieder auch in den Text eingebunden werden. Das alles macht die Erzählung zu einer weit spannenderen Geschichte, als es andere Vertreter des Fantasy-Genres sein können.



Eigenartig erscheint allerdings die Tatsache, dass es zwischen Jacob und dem Mädchen Emma, das in der Zeitschleife lebt, zu einer romantischen Verbindung kommt, nachdem bereits darauf hingewiesen worden ist, dass hier ein Altersunterschied von vielen Jahrzehnten besteht. Außerdem hatte Emma bereits mit Jacobs Großvater eine Beziehung, sodass Jacob zu Recht selbst behauptet, sie gäbe sich nur aufgrund mangelnder Alternativen mit ihm ab. Erklärt wird diese Tatsache dadurch, dass die Kinder der Zeitschleife zwar de facto alte Seelen seien, aufgrund ihres Lebenswandels in eben dieser Schleife aber auch im Geiste gewissermaßen Kinder bleiben.



Andere durchaus reale Fragen von temporalen Anomalien und damit einhergehenden Paradoxa sollen hier nicht näher behandelt werden. Es handelt sich um einen Fantasy-Roman, der aufgrund des Genres das Recht dazu hat, gewisse physikalische Gesetzmäßigkeiten nach eigener Nützlichkeit für sich auszulegen und umzuändern.



**4)       ** **Empfehlung**

** **

Das Buch hört leider mitten in der Handlung auf – der Sieg des Guten über die bösen Monster hat noch nicht stattgefunden, und auch andere Punkte der Handlung sind noch nicht restlos aufgeklärt worden. Diese Tatsache jedoch macht es plausibel, dass es sich um einen Zwei- oder Mehrteiler handelt. Man darf also gespannt sein, was der nächste Band der Geschichte bringen wird.

Die Handlung ist von Anfang bis Ende so spannend, dass die Fortsetzungsgeschichte von den LeserInnen des ersten Teils geradezu mit Spannung erwartet werden muss – da die Handlung noch kein Ende gefunden hat, ist es ein Muss, den nächsten Teil zu lesen. Vor allem für Personen, die Fantasy mögen, ist der Roman zudem besonders geeignet, und diese Einschätzung wird durch die oben genannten Fotographien nur noch untermauert. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, was die Zukunft bereithält – für die LeserInnen UND für die besonderen Kinder.

Rezension: Stephenie Meyer - Seelen

Eine wunderbare Fantasie

 Inhalt:

Die Erde in nicht allzu ferner Zukunft: Außerirdische Seelen haben die gesamte Menschheit ausgelöscht, in dem sie deren Körper vereinnahmt haben. Doch eine kleine Gruppe von Menschen konnte sich den Seelen entziehen und lebt in einem geheimen System von Tunneln in der Wüste.

Wanda ist neu auf der Erde. Sie hat bereits sieben weitere Planeten besucht, doch keine dieser Welten war auch nur annähernd so ansprechend für sie, wie diese. Doch Melanie, ihr Körper, widersetzt sich den Seelen und kann Wanda auf ihre Seite ziehen. Gemeinsam finden sie die Gruppe resistenter Menschen, mit welchen Melanie bis zu ihrer Gefangennahme gelebt hatte. Wanda schafft es, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen und kann ihnen sogar behilflich sein. Letztendlich muss sie jedoch ihr dunkelstes Geheimnis preisgeben.



Sprache/Stil:

Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, mögen diese Angaben vielleicht nicht auf die Deutsche Ausgabe zutreffen.

Das Buch ist aus der Sicht von Wanda geschrieben, was einem einen guten Einblick in das Leben als Seele verschafft. Für die Protagonistin ist es seltsam, auf der Erde zu leben und die grausamen Menschen zu sehen. Die Seelen sind völlig friedfertig und gutmütig.

Die Geschichte ist für junge Erwachsene geschrieben und im Großen und Ganzen sehr positiv und mit glücklichem Ende ausgestattet. Wie auch schon in anderen Büchern Stephenie Meyer’s gibt es Beziehungen, welche alle völlig ohne Sex und mit sehr wenig Küssen abgeschwächt werden.



Empfehlung:

Nicht nur für junge, sondern für alle Menschen ein sehr ansprechendes Buch. Obwohl die Grundidee wohl als Science Fiction einzuordnen wäre, handelt es sich bei diesem Buch eher um einen Fantasyroman.

Rezension: Alex & Francecs Rovira & Miralles - Einsteins Versprechen

Moderne Schatzsuche

Inhalt:



Javier Costa arbeitet als Skriptenautor für den spanischen Radiosender „Netzwerk“ und lebt in Barcelona. Nach einer Sendung, in welcher er sich mit einem Buchautor über Einstein unterhält, erhält Javier einen Umschlag mit der Aufschrift E = ac². Zuhause entdeckt er, dass sich in der Zusendung eine Einladung in den über zwei Stunden entfernten Ort Cadaqués, sowie ein Busticket befinden.

In Cadaqués begibt sich Javier zu der genannten Adresse, einem alten Haus, welches von dem japanischen Einstein-Biographen Yoshimura bewohnt wird. Außer Javier befinden sich dort noch der polnische Doktor der Physik Pawel; der dänische Herausgeber von „Mysterie“, einer Zeitschrift für wissenschaftliche Spekulationen, namens Jensen und die Französin Sarah, welche eine Doktorarbeit über Einsteins erste Frau Mileva Maric schreibt. Yoshimura teilt der Gruppe mit, dass sein Haus einst Einstein gehört hat und dass dieser selbst den Garten angelegt hatte, der bis heute unverändert geblieben war. Außerdem befindet sich Einsteins Geige im Obergeschoß in einer Vitrine.

Kurz nachdem Javier von dem Treffen zurück ist, von dem er noch immer nicht weiß, wer es eingefädelt hat und was genau dessen Grund war, wird Yoshimura ermordet aufgefunden. Javier erhält ein Mail des Princeton Quantic Institute, in welcher er gebeten wird, die Einstein-Biographie zu vervollständigen, wofür er vorab 25.000€ erhält und jeweils für die Zusendung des fertigen Manuskripts sowie die Veröffentlichung des Buches noch einmal diesen Betrag versprochen bekommt. Javier willigt ein und tritt eine lange Reise an.

In weiterer Folge trifft er immer wieder auf die drei Personen, welche er in Cadaqués kennengelernt hatte und schließt sich schließlich mit Sarah zusammen. Gemeinsam versuchen sie, hinter das Geheimnis der Formel E = ac² zu kommen, indem sie sich auf die Suche nach Einsteins geheimer Enkelin begeben.

Während des Abenteuers begegnet Javier immer wieder ein junges Mädchen mit blauen Zöpfen namens Lorelei, während mehrere Personen, mit welchen er wegen Einstein Kontakt hatte, ermordet werden. Und wer ist die Person, die ihnen immer wieder Hinweise sendet?





Sprache/Stil:



Das Buch gliedert sich in vier Teile, welche nach den Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer benannt sind. Jeder Teil beginnt mit einem Gedicht zum Thema des jeweiligen Elements.

Außerdem steht am Anfang jeden Kapitels ein Zitat eines berühmten Menschen, wobei es sich häufig um Einstein handelt.

Die Gesichte ist zum großen Teil als innerer Monolog aus der Sicht von Javier Costa geschrieben, unterbrochen von eher wenigen Gesprächen in direkter Rede.

Auch als Javier Einsteins Biographie liest, wird dies häufig im inneren Monolog zusammengefasst. Einige Passagen sind auch direkt abgedruckt, was dadurch gekennzeichnet wird, dass der entsprechende Absatz eingerückt ist. Genauso verhält es sich auch mit den E-Mails. SMS-Nachrichten sind immer in Großbuchstaben und zentriert geschrieben.





Kritik:



Während des Lesens erfährt man eine Menge über Einsteins Leben und seine Arbeit, sodass es auch für geschichtsuninteressierte Menschen spannend erscheint. So wird zum Bespiel Einsteins Biographie immer wieder geschickt eingebaut, indem Javier darin liest, wann immer ihm langweilig ist, oder er einen darauf bezogenen Termin hat.

Durch immer neue Rätsel und Hinweise werden ständig neue Spannungsbögen erzeugt, was es einem fast unmöglich macht, das Buch wegzulegen.

Am Anfang des Buches werden öfter kleine Hinweiße vorweggenommen, um den Leser misstrauisch zu machen, wodurch Spannung erzeugt wird, z.B.:

„Hätte ich den Namen […] rechtzeitig überprüft, wäre alles […] anders verlaufen.“ (S. 70)



Man erhält den Eindruck, Javier erzähle die Geschichte in dem Bewusstsein, wie sie enden wird.

Die Auflösung des Buches ist leider bei weitem nicht so spannend, wie die Geschichte selbst. Man erhält am Ende das Gefühl, den Autoren wären die Seiten ausgegangen, da das Ende eher abrupt und unspektakulär ausfällt.





Empfehlung:



Sowohl für Einstein-Fans, als auch für Menschen, welche sich noch nie mit  Physik beschäftig haben ein sehr spannendes und aufschlussreiches Buch, allerdings besonders am Ende nicht wissenschaftlich haltbar.

Rezension: Lieneke Dijkzeul - Vor dem Regen kommt der Tod

Eine weitere Kriminalgeschichte

 **1)       ** **Inhalt**



Renée Pettersen zeichnet sich vor allem durch ein Merkmal aus: Sie ist rothaarig. Dieser Umstand wird ihr eines Abends zum Verhängnis – ein Mann überfällt sie in ihrer eigenen Wohnung, verletzt sie beinahe tödlich und schneidet ihr Teile ihrer Kopfhaut ab. Während sich die Polizisten gemeinsam mit ihr fragen, aus welchem Grund das gerade ihr passiert ist und was die Skalpierung zu bedeuten hat, ist für die LeserInnen längst klar, wer der Mörder ist, da nicht nur aus der Perspektive von Renée oder ihren Kollegen, sondern auch aus seiner berichtet wird.



Allmählich entwickeln sich zwei Storylines – die eine handelt von Renée und den anderen Polizisten, vor allem Inspector Paul Vegter, die andere von dem Mörder und seiner Frau. Für den Leser wird es sehr bald klar, welche Verbindung er zu Renée hat und welchem Ziel er folgt.



**2)    ** **Sprachliche Umsetzung**





Es fällt auf, dass die Autorin sehr mit „Sprache“ beschäftigt sein muss. Nicht nur hat sie sich offensichtlich große Gedanken über die jeweiligen Formulierungen gemacht, sondern es wird auch häufiger erwähnt, dass in der Gegenwartssprache viele „Modewörter“ auftauchen, die die althergebrachte Sprache langsam verdrängen und verändern.



Die beiden Storylines sind ebenfalls unterschiedlich geschildert. In beiden Geschichten geht es eigentlich um eine Liebesgeschichte. Das allerdings zu beschreiben gelingt der Autorin ausgesprochen gut. Auch Gefühle und Gedanken aller Protagonisten fließen immer wieder in die Handlung ein, sodass man sich ein gutes Bild der Hauptdarsteller und ihrer Motivationen machen kann.



**3)    ** **Kritik**



Man weiß von Anfang an, wer der Mörder ist, und lernt ihn in den nachfolgenden Kapiteln auch immer besser kennen. Aus diesem Grund entsteht daraus auch keine Spannung, was einen Unterschied zum Großteil der Romane dieses Genres darstellt. Vielmehr fragt man sich als LeserIn bis ziemlich zum Schluss, aus welchem Grund der Täter so handelt, und kommt dabei auf unterschiedliche Theorien.



Leider hackt die Autorin an mehreren Motiven des Romans in unverhältnismäßigem Ausmaß herum – so scheint für sie der Altersunterschied zwischen zwei sich liebenden Menschen ein tatsächliches Hindernis darzustellen. Auch an den Haaren und deren Bedeutung für Frauen spießt sich die Autorin – sie scheint der Meinung zu sein, dass die Haare für Frauen unersetzlich und von geraumer Bedeutung sind und schon bei einer teilweisen Skalpierung die Persönlichkeit einer Frau verlorengeht, was ich persönlich in diesem Ausmaß nicht wirklich nachvollziehen konnte.



Leider ist der Roman aufgrund seiner Machart nur wenig überraschend. Ab irgendeinem Zeitpunkt will man zwar fertiglesen, jedoch mehr aus Interesse daran, ob zwischen Vegter und Renée doch noch eine Liebesbeziehung entsteht. Die eigentliche Kriminalgeschichte um den Mörder wird jedoch nicht sonderlich aufregend geschildert – man sollte bei der Lektüre also nicht zu viel erwarten.

Rezension: Amanda Kyle Williams - Cut

In jedem Menschen kann ein Mörder stecken

**Inhalt**

Dr. Keye Street, früher Special Agent und psychologische Gutachterin für das FBI, hält sich als Privatdetektivin hauptsächlich mit Aufträgen von Kautionskanzleien über Wasser. Mit ihrer wenig zimperlichen Art stellt sie Vorladungen zu oder kümmert sich persönlich darum, dass untergetauchte Personen dort hinkommen, wo sie hingehören. Als ihr bester Freund Rauser sie um Hilfe in einem Mordfall bittet, steigt sie als Beraterin in die Ermittlungen ein.

Der Mordfall entpuppt sich nicht als simple Einzeltat – nach und nach werden Menschen auf brutale, wenn nicht sogar bestialische Art und Weise ermordet. Die Opfer werden stets auf die gleiche Art drapiert: auf dem Bauch liegend, die Beine gespreizt. Besonders auffällig ist das „Zeichen“, das der Mörder hinterlässt: Bissspuren an den Schenkeln. Zudem unterstreicht vor allem die unnatürliche Brutalität des Täters seine Gefährlichkeit – die Opfer weisen zahllose Stichwunden in ihren Körpern auf. Der Täter scheint durch diese Taten zu sexueller Erregung zu gelangen.

Mehr und mehr scheint ein Protagonist verdächtiger zu werden, doch da man sich erst in der Mitte des Buchs befindet, fragt man sich als Leser bald, ob es sich nicht doch nur um einen Verwirrungsversuch der Autorin handelt. Es bleibt bis zum Ende spannend und es ist kaum möglich, das Ende zu erraten, obwohl man dem Täter während der Geschichte schon einmal begegnet ist.

**Sprache und Stil**

Die Geschichte um den Wunschknochen-Mörder ist ausgesprochen spannend geschrieben – so spannend, dass man die Szenen, in denen es nicht direkt um den Täter, sondern um Nebensächlichkeiten wie Umgebung, zwischenmenschliche Beziehungen und Gedanken der Protagonisten geht, am liebsten überfliegen möchte, um schneller zur Hauptstory zurückzukehren.

Sprachlich werden unterschiedliche Stile verwendet: Mal sprechen die Personen umgangssprachlich miteinander, dann wieder werden vergangene Ereignisse in Erzählform aufgearbeitet. Außerdem fließen die Briefe des Mörders und seine Blogeinträge in einem Internetforum in den Handlungsverlauf ein – der Polizei weitgehend unbekannt, erfahren die LeserInnen so von den Gedanken und Gefühlen des Täters.

Auch humoristische Szenen finden sich immer wieder – vor allem dann, wenn es in einer Nebenhandlung um die Suche nach der Kuh Sadie geht, von der als Möglichkeit der Identifizierung vielleicht ein Hufabdruck genommen werden könnte. Im Gegensatz zur adrenalingeladenen restlichen Geschichte wird hier mit einer Leichtigkeit erzählt, die symbolisch für Keyes Erleichterung über den abgeschlossenen Fall hergenommen werden kann.

**Kritik**

Bei der Lektüre des Werks erreicht man irgendwann einen Punkt, an dem man _unbedingt_ weiterlesen _muss_. Ich persönlich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen, da ich die Spannung, wer denn nun der Täter ist, nicht ertragen konnte.

Der Thriller regt während der gesamten Handlungsdauer dazu an, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wer der Täter sein könnte.

Rezension: Sandra Melli - Stern der Göttin

Magische Welt

Inhalt:

Laisa lebt mit den anderen Katzenmenschen in einem Wald und arbeitet als Karawanenwächterin. Eines Tages kommt eine goldene Frau in ihr Dorf, welche eine große Anziehung auf Laisa ausübt. Die mysteriöse Frau besteht darauf, das Katzenmädchen bei der nächsten Karawane dabei zu haben. Die Frau taucht nicht wieder auf, doch während der Reise nimmt Laisa ihre Fährte auf und folgt ihr. Als sie zum Ursprung des Duftes gelangt, wird sie plötzlich an einen fremden Ort transferiert. Laisa findet sich in den Dämmerlanden wieder, wo es die Nationen westlich und östlich des Stromes gibt, diese sind verfeindet. Jedes Land leuchtet in seiner eigenen Farbe und folgt einem eigenen Gott. Zusätzlich gibt es viele Magier, die dunkle Geschäfte treiben. Laisa erhält auf ihrer Reise immer neue Aufträge, welche sie mit Bravour meistert. Das Ende der Geschichte lässt einige Fragen offen und indiziert eine Fortsetzung. So erfährt man beispielsweise nicht, wo Laisa herkam und wieso sie magische Fähigkeiten zu besitzen scheint.



Kritik:

Das gesamte Buch lang wünscht man sich als Leser, es gäbe eine kleine Übersicht über die Protagonisten und ihre nationale Zugehörigkeit, nur um am Ende zu bemerken, dass es genau so etwas als letztes Kapitel gibt. Dies sollte vielleicht eher am Anfang des Buches untergebracht werden.

Im Cover des Buches befindet sich eine kleine Karte der Dämmerlande, prinzipiell eine sehr gute Idee, doch könnte man sie noch verbessern, indem die Farben der Länder gekennzeichnet würden.

Der Roman erzeugt ein durchwegs positives Leseerlebnis, da in Laisas Aufgaben fast nichts schiefgeht. Alles scheint ihr auf Anhieb zu gelingen.

Die verwendeten Namen der Protagonisten sind etwas verwirrend und schwer auszusprechen. Verwandet Personen haben oft sehr ähnliche Namen und diese enthalten erstaunlich viele h's. Dabei hat das Autorenteam allerdings auch einige sehr schöne Namen kreiert, wie zum Beispiel die Stadt Edessin Dareh.

Das Cover des Romans spricht sehr an, obwohl die abgebildete Person keiner der Protagonisten zu sein scheint.

Als einzig negativen Punkt muss ich sagen, dass das Buch sehr dick und damit auch sehr schwer ist. Da ich normalerweise halb liegend im Bett lese, hatte ich gewisse Schwierigkeiten damit, es hochzuhalten.

Alles in allem Fand ich das Buch sehr gut. Besonders für Fantasy-Einsteiger eignet sich die Geschichte sehr gut, da sie sich auf einem erdähnlichen Planeten abspielt und außer seltsamen Wesen und Magie auch viel Bekanntes enthalten ist. Einen zweiten Band würde ich mich sofort kaufen.

Rezension: Anthony Horowitz - Das Geheminis des weißen Bandes

Würdige Rückkehr eines grandiosen Ermittlers

**1)    ** **Inhalt**



Dr. Watson, Sherlock Holmes’ ständiger Begleiter, lebt am Ende des 19. Jahrhunderts relativ verarmt und einigermaßen vereinsamt, was unter anderem mit seinem schlechten Gesundheitszustand zusammenhängt. Sein guter Freund Sherlock Holmes ist schon vor langem gestorben, und so erinnert sich Watson wehmütig ein letztes Mal zurück an einen ihrer abstoßensten Fälle.

Die Handlung zieht sich über mehrere Monate des Jahres 1890 – Watson besucht Holmes in London, weil seine Frau verreist ist, und wird justament in den nächsten Fall geschleudert: Ein elegant gekleideter Londoner – Mr. Carstairs, ein Kunsthändler – sucht Holmes auf, um ihn um Hilfe zu bitten. Gerade erst aus Amerika zurückgekehrt, befürchtet er aufgrund dortiger und hiesiger Vorkommnisse, dass er beobachtet wird und in Lebensgefahr schwebt. Holmes steigt in die Ermittlungen ein – und Watson natürlich mit ihm.

Was anfangs als völlig klarer Fall erscheint, dessen Lösung schon auf S. 81 zu finden gewesen wäre, entpuppt sich nach und nach als überaus verschachtelte Angelegenheit, im Zuge derer Holmes selbst in Lebensgefahr gerät, des Mordes bezichtigt und letzten Endes sogar angeklagt wird. Alles nur, weil er nach dem mysteriösen „House of Silk“ sucht, dessen dubiose Existenz durch ein weißes Seidenband bewiesen wird, das am Handgelenk eines ermordeten Straßenkindes gefunden wird. Holmes selbst erhält wenig später ein ebensolches Band als Warnung, die er trotz der eindringlichen Bitte seines Bruders Mycroft in den Wind schlägt.

Wie aber hängen all diese seltsamen Ereignisse und Ermittlungsansätze zusammen? Es gibt nur eine einzige mögliche Verbindung: das House of Silk. Was aber hat es damit auf sich? Wird Holmes die Zusammenhänge aufdecken können?



**2)    ** **Analyse**



Es ist offensichtlich, dass Anthony Horowitz in der Vorbereitung seines Werk sehr genau recherchiert hat, wie das Leben in London zu dieser Zeit gewesen sein muss. Auch geht aus seinem stilistischen Geschick eindeutig hervor, dass er sich in der Sherlock Holmes-Literatur des Sir Arthur Conan Doyle umfassend auskennt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er den Ton des Dr. Watson durchgehend überaus gekonnt trifft und es den LeserInnen so ermöglicht, sich tatsächlich voll und ganz in das Umfeld der Protagonisten einzufühlen.



**3)    ** **Kritik**



Über die Übersetzung des Buches gibt es Positives und Negatives zu sagen. Einerseits ist es bemerkenswert, wie präzise  auch der Übersetzer den Ton von Dr. Watson von Anfang an trifft. Es ist offensichtlich, dass sich auch dieser umfangreich in die Materie eingearbeitet hat. Andererseits ist der Roman von zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern durchzogen, beispielsweise:



            _Der Diogenes Club war eine der kleineren Clubs an der Pall Mall. (S. 146)_

_            Das alles war zügig vonstattengegangen. (S. 189)_



Diese Tatsache stellt allerdings den einzigen Mangel des ansonsten sehr ansprechenden Werks dar. Abgesehen davon bemüht sich der Autor das eine oder andere Mal um eine amüsante Darstellung und Wortwahl, was das gesamte Werkt deutlich auflockert:



_Ich hatte die Antwort zu einer Frage erhalten, die Holmes mir vor Wochen gestellt hatte. Jetzt musste ich nur noch herausfinden, warum sie ihn interessierte. (S. 222)_



Weiters ist zu sagen, dass der Titel für die deutsche Fassung zwar akzeptabel gewählt worden ist, eine Annäherung an das englische Original („The House of Silk“) käme dem Inhalt allerdings dennoch näher, da auch in der deutschen Übersetzung weniger das weiße Band eine Rolle spielt als das House of Silk selbst.



Interessant war für mich persönlich, endlich mehr Hintergründe zu Holmes’ Familie zu erfahren. Das macht den Roman familiärer und zeigt außerdem das große Abhängigkeitsverhältnis zwischen Holmes und Watson, der sich selbst ohne Holmes als unvollständigen Menschen erkennt, sehr deutlich. Dadurch werden die Protagonisten noch menschlicher, als sie der Autor ohnehin schon zeichnet, und erlauben es, dass man sich mit ihnen besonders identifiziert.



Außerdem ist es durchgängig beeindruckend anzusehen, welche verstrickten Kriminalgeschichten Horowitz hier erfindet und einbaut. Das beweist seine große schriftstellerische Fähigkeit besonders, handelt es sich doch um originelle Ideen, hinter die der laienhafte Leser nicht so schnell kommt.



**4)    ** **Empfehlung**



Wer den Beweis haben möchte, dass nicht nur Sir Arthur Conan Doyle über ein unglaubliches schriftstellerisches Talent verfügt hat, ist bei diesem Buch genau richtig. Man kann sich von Anfang an in die Zeit und die Personen hineinversetzen und findet sich haargenau in Doyles London wieder. Sherlock Holmes  ist nach wie vor brillant – ob seine Geschichten nun vom Original oder seinem eifrigsten Kenner verfasst werden!

Rezension: Stephenie Meyer - Bis(s) zum Ende der Nacht

The End?

Das letzte Buch der Twilight Serie ist in sich in drei Büchern geschrieben, Buch 1 - Bella, Buch 2 - Jacob, Buch 3 - Bella. Jeweils aus der Sichtweise der Titelfigur geschrieben, erzählt dieser Band nicht nur Bellas, sondern auch Jacobs Geschichte, was einen guten Einblick in die Welt der Werwölfe erlaubt. Endlich wird auch die Frage geklärt, ob Bella jemals zum Vampir wird, die Autorin hat hier eine sehr befriedigende Lösung gefunden. Hat man alle Bücher der Reihe gelesen, inklusive Bree Tanner und Midnight Sun, ergibt sich ein schönes Bild einer Welt, welche von der Autorin erschaffen wurde.



Zum Schreibstil kann ich nicht viel sagen, da ich das Buch auf englisch gelesen habe. Mir gefällt der Schreibstil von Stephenie Meyer. Ihre Beschreibungen lassen einen in eine andere Welt abtauchen und man fühlt sich, als ob man mitten in der Story wäre. Die Vampir/Werwolf-Idee mag nicht neu sein, doch auf eine völlig einzigartige Weise erzählt, hat man das Gefühl, es handle sich um das erste Buch seiner Art. Als besonderes Sahnehäubchen erklärte die Autorin, dass es vielleicht eine Fortsetzung geben wird, aus der Sicht von Renesmee oder Leah geschrieben.



Für alle Twilight-Fans auf jeden Fall ein Muss!

Rezension: Cat Patrick - Forgotten

Zukunftserinnerungen

###### Inhalt:

London Lane hatte als Kind einen Autounfall. Seither kann sie sich an nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern, jede Nacht verliert sie ihr Gedächtnis erneut. Stattdessen kann sie sich an die Zukunft erinnern, als ob sie bereits passiert wäre. Für London ist das eine schwere Bürde, sie weiß viele Dinge, die sie lieber nicht wüsste und muss sich jeden Abend Aufzeichnungen über den Tag machen, damit sie am folgenden weiß, was passiert ist. Eingeweiht in Londons Geheimnis sind bloß ihre Mutter und ihre beste Freundin Jamie. Doch dann tritt Luke in ihr Leben, ein umwerfender Junge, der in Londons Zukunftserinnerung allerdings nicht vorkommt. Und dann taucht diese ominöse Erinnerung an ein Begräbnis in Londons Kopf auf. Ob sie sich an Luke nicht erinnern kann, weil er sterben wird und sie die Erinnerung verdrängt hat?

###### Analyse:



Die große Frage, die sich am Anfang des Buches stellt ist, wie kann London ihr Leben meistern, ohne Erinnerung? Wie erkennt sie ihre Mutter und ihre beste Freundin wieder? Die Antwort eröffnet sich allerdings sehr schnell, sie erinnert sich nicht an die weit entfernte, abstrakte Zukunft, sondern an alles, was kommen wird. So ist in ihrem Gedächtnis auch der morgige Tag verankert, weshalb sie ungefähr weiß, was sie heute zu tun hat. Dies verdeutlicht sich besonders an Londons letztem Schultag, an dem sie keine Zukunftserinnerung an die Position ihres Schließfachs, oder ihren Stundenplan hat, und sich kaum in der Schule allein zurechtfindet.

Sprachlich überzeugt das Buch dadurch, dass es in authentischer Sprache einer Schülerin geschrieben ist, allerdings stellt sich hier die Frage, ob London mit ihren Zukunftserinnerungen nicht eigentlich im Kopf ziemlich erwachsen sein müsste.

Das Buch überzeugt auch durch ein nettes Happy End, das nicht in der Gegenwart stattfindet, sondern in Londons Zukunftserinnerung, die sich durch ihre Veränderungen der Ereignisse zum Guten wenden. Eine Fortsetzung des Buches, wenn auch meines Wissens keine in Planung ist, würde ich sehr gerne lesen!

Rezension: Ursula Poznanski - Fünf

Wie wäre es mit Geocaching?

**Inhalt**



Bea Kaspary, zweifache Mutter und geschieden, arbeitet als Ermittlerin für die Polizei – und das eigentlich nur aus einem einzigen Grund: Als ihre beste Freundin Evelyn zu Studienzeiten ermordet wird, bringt es die Polizei nicht zustande, die Tat aufzuklären, was sie dazu bringt, es besser machen zu wollen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Florin, der von anderen fälschlicherweise stets als Florian bezeichnet wird, gerät sie in einen äußerst verstrickten Fall.

Nora Papenberg wird tot auf einer Kuhweide aufgefunden – offensichtlich von einer Felsklippe gestürzt, jedoch mit gefesselten Händen, also eindeutig Mord. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, stellen die Ermittler fest, dass auf ihren Füßen Koordinaten eintätowiert sind – ante mortem. Das makabere Spiel beginnt jedoch erst: Bea und Florin machen sich auf den Weg zu den genannten Angaben und finden dort eine Frischhaltebox, ganz nach der Art von Geocaching versteckt – eingepackt darin befindet sich eine wenig fachmännisch abgetrennte Hand, die eindeutig zu einem weiteren Opfer gehört. Dabei liegt ein Zettel in der Box, auf welchem in Nora Papenbergs Handschrift verschlüsselte Hinweise auf einen weiteren Standort gegeben werden.

Während Bea und Florin ermitteln und sich mit ihrem Vorgesetzten Hoffmann abquälen, wird die Ermittlerin ständig von der Sorge um ihre beiden Kinder geplagt. Als Polizeimitarbeiterin hat sie gerade während so außergewöhnlichen Fällen nur wenig Zeit für ein Familienleben, und zusätzlich dazu macht ihr Exmann Achim ihr das Leben zur Hölle, indem er rund um die Uhr und auch mitten in der Nacht einfach grundlos anruft und versucht, sie fertigzumachen. Aus diesem Grund bringt sie die Kinder für unbestimmte Zeit zu ihrer Mutter auf einen Gasthof, wo sie weit weg von all den makabren Sorgen der Stadt Zeit verbringen können.

Mehr und mehr Körperteile werden auf der Geocaching-Tour gefunden, und die Polizei beginnt damit, verschiedene Personen zu verhören. Zu allem Überfluss nimmt auch noch der Täter selbst Kontakt mit den Ermittlern auf – mit Bea, um genau zu sein, in der er eine Art Verbündete zu sehen scheint, weil auch sie in ihrer Studienzeit schreckliche Erfahrungen mit der Polizei gemacht hat.

Es kristallisiert sich im Laufe des Romans heraus, dass Bea und Florin mehr als nur Freundschaft miteinander zu verbinden scheint. Bea stellt fest, dass sie möglicherweise Gefühle für ihren Kollegen hegt, dieser ist jedoch in einer festen Beziehung. Dennoch kümmert er sich stets rührend um sie, besteht darauf, dass sie mit ihm essen geht, weil sie sich aufgrund des Stresses selbst vernachlässigt oder dass sie bei ihm im Gästezimmer schläft, um nicht alleine zu Hause sein zu müssen. Hegt er vielleicht doch mehr Absichten ihr gegenüber, als er zugeben möchte?

Immer mehr kommt Licht in die Verbindung, die alle Opfer miteinander zu haben scheinen. Aber wer ist der Täter? Was sind seine Motive? Und welche Rolle spielt Bea inmitten dieser verstrickten und ekelerregenden Angelegenheit?



**2)    ** **Stil**



Spannung wird im Buch hauptsächlich dadurch erzeugt, dass man als LeserIn unbedingt wissen will, welche Zusammenhänge zwischen den Opfern untereinander und zum Täter bestehen. Auch die wahre Rolle der Ermittlerin Bea ist bis zum Schluss nicht wirklich eindeutig. Zudem wartet man stets darauf, was sich letztlich aus der möglichen Liebesgeschichte zwischen ihr und Florin entwickelt.

Viele englische Begriffe aus dem Bereich des Geocaching werden erklärt, somit stellt der gesamte Roman eine Einführung in diese Outdoor-Aktivität dar. Insgesamt ist es jedoch leicht zu lesen und gut geschrieben.



**3)    ** **Kritik**



Die Idee, einen Serienmordfall am Prinzip des Geocaching aufzuhängen, ist definitiv neu und äußerst originell. Nebenbei wird jedoch ziemlich viel Schleichwerbung für die entsprechende Website gemacht und auch diejenigen, die sich nur wenig für diese Art der Freizeitbeschäftigung interessieren, werden gezwungen, sich mit diversen Erklärungen und Abkürzungen aus der Welt des Geocaching auseinanderzusetzen. Jedoch tut das der Spannung keinerlei Abrieb – es ist allerdings fraglich, wer nach einer solchen Lektüre noch den Mut dazu hat, aufwändig versteckte Frischhalteboxen in gut getarnten Höhlen zu öffnen.

Der Autorin gelingt es, die verschiedenen Leidenswege der Opfer sehr anschaulich nachzuzeichnen. Aufgrund der Schilderungen ist deutlich, dass sie sich über die einzelnen Fachgebiete umfangreich informiert haben muss. Zudem wird die Hintergrund- und Familiengeschichte der einzelnen Protagonisten ausführlich geschildert, was ein imposantes Gesamtwerk zur Folge hat.



**4)    ** **Empfehlung**



Das Buch ist insgesamt äußerst spannend und zeichnet sich durch zahlreiche ineinander verstrickte Handlungsstränge aus. Erst ganz am Schluss werden die Geheimnisse um den Täter und die Auswahl seiner Opfer gelöst und letzte Zusammenhänge aufgeklärt – man darf auf einen Aha-Effekt gefasst sein!

Rezension: Paul Collins - Der Mord des Jahrhunderts

Wer ist die Leiche ohne Kopf?

**1)    ** **Inhalt**



Als der kopflose Oberkörper eines Toten aus Manhattans East River gezogen wird, sieht alles ganz danach aus, als handle es sich um einen makabren Scherz von Medizinstudenten – nichts Ungewöhnliches im Amerika des 19. Jahrhunderts! Kurz darauf jedoch taucht der Unterkörper auf – ebenso fachmännisch verpackt, für Medizinstudenten jedoch zu laienhaft abgetrennt. Die beunruhigende Erkenntnis: Mord! Doch wie soll ohne Kopf geklärt werden, um wen es sich bei dem Opfer handelt?



In einer Zeit, als die großen amerikanischen Zeitungen gerade im vollen Entwicklungsaufschwung sind, bietet sich eine solche Geschichte mehr als an, um sich einen Namen zu machen und sich in der Geschichte zu verewigen. Es beginnt also ein Wettlauf unter der New York World, der New York Tribune und des New York Journals um die beste Berichterstattung über den Fall. Ganz nebenbei sind es dadurch gerade die Zeitungen, die die Ermittlungen vorantreiben – um der besten Berichte willen schicken sie selbst „Ermittler“ aus, die Nachforschungen anstellen und das eine oder andere Puzzleteil auflösen können.



Unterdessen versucht die Polizei einerseits, die Leiche zu identifizieren – dieses Unterfangen stellt sich als sehr schwierig heraus, da unterschiedlichste Menschen die Teile unterschiedlichsten Personen zuordnen. Auf der anderen Seite wird fieberhaft nach dem Kopf gesucht, der an einer Identifizierung letztlich keine Zweifel mehr lassen würde. Gleiches machen die Zeitungen und finden so heraus, dass es sich bei dem Opfer höchstwahrscheinlich um William Guldensuppe, einem Masseur handelt.



Schnell sind dessen Lebensumstände geklärt und zwei Verdächtige festgenommen: Mrs. Nack, seine Geliebte, und Martin Thorne, der derzeitige Geliebte von Mrs. Nack. Doch wieder verlaufen die Ermittlungen im Sand: Guldensuppe sei von verschiedenen Personen bis hin nach Europa lebend gesehen worden! Zudem streiten beide Festgenommene ab, dass es einen Mord gegeben hat. Lebt Guldensuppe also noch? Wer liegt dann zerteilt im Leichenschauhaus?



**2)    ** **Analyse**



Besonders faszinierend an dem Roman ist die Tatsache, dass es sich um eine reale Geschichte handelt – tatsächlich ist der „Fall Guldensuppe“ im New York des 19. Jahrhunderts wochen- und monatelang in den Zeitungen präsent gewesen und die Ermittlungen haben sich genauso abgespielt, wie sie in Paul Collins Roman dargestellt werden. Dabei ist das Werk nicht nur gut recherchiert, sondern grundlegend auf den Quellen – historischen Zeitungen – aufgebaut. Am Ende des Buches fügt Collins in über 50 Seiten akribisch an, woher er sämtliche seiner Informationen bezogen hat.



Gerade dieser Umstand ist es, der das Buch überaus lebensnah macht und es den LeserInnen ermöglicht, sich tatsächlich in die Begebenheiten der Zeit hineinzuversetzen. Die Zeit des wirtschaftlichen und technischen Aufschwungs wird besonders anschaulich geschildert, wenn am Ende des Werks festgestellt wird, dass sich die Stadt New York gerade in den letzten Jahren um vieles weiterentwickelt hat – während noch vor ein paar Jahren Pferdekutschen das Straßenbild prägten, sind es nun Automobile, die sich ihren Weg durch den Verkehr bahnen.



Spannend ist zudem die Schilderung der Entwicklung der großen Zeitungen. Durch Collins’ umfangreiche Einarbeitung in das Thema werden Einblicke in die Berichterstattung der Zeit und die Modernisierung der Druckeranlagen geboten, durch die man ein gutes Bild von der Medienwelt des 19. Jahrhunderts erhält und sozusagen live mitverfolgen kann, wie aus kleinen und unbedeutenden Zeitungen Institute mit gewaltiger Macht geworden sind.



**3)    ** **Kritik**



Spannung wird weniger dadurch aufgebaut, dass man wissen möchte, wer der Mörder ist – Mrs. Nack und Martin Thorne werden schon im ersten Drittel des Romans verhaftet. Interessant ist hingegen einerseits die Schilderung des sich verändernden Zeitungswesens, andererseits bis zuletzt die Frage, ob es sich bei dem Mordopfer überhaupt tatsächlich um William Guldensuppe handelt. Aufmerksamkeit bei LeserInnen wird also die ganze Zeit über durch den fehlenden Kopf der Leiche erreicht, was weniger eine sprachliche, als eine quellendarstellungsgemäße Leistung ist.



Das Cover ist außerordentlich ansehnlich gestaltet, allerdings sollte man erst nach der Lektüre des Buchs einen genaueren Blick darauf werfen – durch die Gestaltung mit originalen Zeitungsausschnitten der zeitgeschichtlichen Berichterstattung werden ansonsten einige Informationen über die weitere Handlung des Romans vorweggenommen.



**4)    ** **Empfehlung**



Ich kann auf jeden Fall empfehlen, das Buch zu lesen. Der Autor hat sich in bisher unerreichtem Maß bemüht, die historische Berichterstattung in einen Roman zu verpacken, der absolut lebensnah und detailgetreu aufgebaut ist. Zudem erfährt man nicht nur alles über den damals hochbrisanten „Fall Guldensuppe“, sondern erhält vor allem zeitgeschichtliche Einblicke in die Welt des 19. Jahrhunderts und der Entwicklung des Zeitungswesens.

Rezension: Corina Bomann - Die Schmetterlingsinsel

Schatzsuche in der Geschichte

Völlig unerwartet hält man plötzlich eines der wunderschönsten Bücher aller Zeiten in den Händen. Der Deckel wird von der Aufnahme einer mystischen alten Treppe geziert und der gesamte Buchblock ist mit hübschen violetten Schmetterlingen bedruckt.



Diana Wagenbach wird von ihrer Tante Emily nach England gerufen, um deren letzten willen zu erfüllen: Sie soll das Familiengeheimnis lüften. Unterstütz von Emilys Butler Mr Green findet sie bald einige Hinweise in Tremayne House, dem Familiensitz in London. Die Spuren führen sie zu ihrer Urgroßmutter Grace ins 19. Jahrhundert – und nach Sri Lanka, genauer gesagt Ceylon, der Schmetterlingsinsel. Bald findet sie sich mit ihrem attraktiven Fremdenführer Jonathan auf der Vannattappucci-Teeplantage wieder, wo Graces Schicksal ihren Lauf genommen hatte. Wieso war sie enterbt worden? Und wo befindet sich ihr Grab, wieso liegt sie nicht in der Familiengruft? Aber auch Grace selbst hat ihren Beitrag zur Geschichte zu leisten. Eine spannende Schatzsuche in der Geschichte beginnt.



Wer am Anfang denkt, nur der Prolog spiele in der Vergangenheit und die weitere Geschichte verlaufe in der Gegenwart, der irrt. Ab etwa einem Drittel des Buches werden die Geschehnisse aus Graces Sicht um 1887 wiedergegeben, wobei sich diese jeweils mit Dianas Kapiteln abwechseln, allerdings gegen Ende klar die Überhand gewinnen. Besonders für den modernen weiblichen Leser scheint die detaillierte Erzählung über den damaligen Heiratszwang und die mangelnden Rechte der Frauen sehr unbehaglich. Nichts desto trotz schafft es die Autorin, spannendes Wissen über die damalige Zeit und auch über den Teeanbau in ihr Buch zu verpacken.



Mit der Hauptprotagonistin Diana Wagenbach schafft die Autorin das Bild einer unheimlich starken Frau. Im Gegensatz zu vielen modernen Frauen, verlässt diese ihren untreuen Ehemann und blickt nicht zurück. Im Kontrast dazu zeichnet die Autorin Grace Tremayne, eine unterdrückte Frau des 19. Jahrhunderts, die sich im Laufe der Geschichte zwar auch zu einer starken Frau entwickelt, sich damit im Gegensatz zu Diana aber viele Probleme schafft.



Für Liebhaber historischer Romane auf jeden Fall ein Geheimtipp.

Rezension: Andreas Laudan - Das Geflecht

Wer fürchtet sich vor Dunkelheit?

**1)    ** **Inhalt**



Tia Traveen ist Höhlenkletterin – und blind. Gerade diese Behinderung verschafft ihr unterirdisch einen großen Vorteil: Sie orientiert sich über eine Zungenschnalz-Methode und braucht ohnehin kein Licht, da sie sich im Dunkeln zurechtfindet. Dieser Umstand macht sie perfekt für Rettungseinsätze, und auch diesmal wird sie gebeten, zwei vermisste Jugendliche in einem Bergwerk zu suchen.

Tia wird von Leon begleitet, der ihr bester Freund ist und sich mit ihr eine Wohnung teilt. Während er alles für sie tut und offensichtlich über alles in sie verliebt ist, bemerkt sie von alledem nichts. Dennoch begleitet er sie stets – so auch auf diesem Einsatz, wo er schließlich mit ihr in der Höhle landet, nachdem die Decke über ihnen eingestürzt ist. Gemeinsam mit Dana und ihrem Freund Justin versuchen sie, sich im Stockdunkeln einen Weg nach draußen zu suchen.

Auf der anderen Seite gibt es da Bringshaus und seinen Vorgesetzten Böttcher. Bringshaus ist der Vater von Justin und macht sich große Sorgen, während Böttcher nur eine Sorge hat: dass Tia herausfinden könnte, was da unten in der Höhle wirklich los ist. Denn ein eigenartiger Pilz, der besonders schnell wuchert, beginnt damit, die Eingeschlossenen anzugreifen und mit seinem Gift zu infizieren. Böttcher und Bringshaus wissen darüber Bescheid – und auch, wo dieser Pilz herkommt.

Zu guter Letzt gibt es da noch Caroline Frey, eine Reporterin, die sich die ganze Zeit über nicht vom Bergwerk entfernt, weil sie auf ihre Story hofft – allerdings stellt auch sie in dieser langen Nacht fest, dass es nicht der Bericht ist, der in diesem Fall eine Rolle spielt.



Tia Traveen führt die kleine Gruppe trotz Verletzungen und diverser Hindernisse gekonnt durch das unterirdische Labyrinth in Richtung Ausgang. Die vier lernen sich immer besser kennen und begreifen, dass sie zusammenhalten müssen, wenn sie alle überleben wollen. Dabei bekommt man Einblick in alle beteiligten Charaktere und leidet bis zum Ende mit. Ob alle unversehrt ans Tageslicht zurückkommen werden?



**2)    ** **Sprache**



Der Thriller bedient sich einer einfachen und leicht verständlichen Sprache. Was dabei besonders geschickt angegangen wird, sind komplizierte Fachbegriffe, die immer wieder auf kreative Art und Weise erklärt werden: indem beispielsweise die Reporterin im Internet nachschlägt oder ein Bericht aus Fachzeitschriften abgedruckt wird. Diese werden durch eine eigene Umrandung und eine andere Schriftart gekennzeichnet, sodass sie klar vom restlichen Text abgegrenzt werden. Anderes Fachvokabular erklären die ProtagonistInnen untereinander, sodass man in keiner Textstelle das Gefühl hat, man könne etwas nicht verstehen.



**3)    ** **Analyse**



Die Spannung dieses Werks besteht eigentlich weniger in dem, was der Titel verspricht – das Geflecht, der eigenartige Pilz, ist zwar im Thriller allgegenwärtig, tritt gegenüber der Liebesgeschichte zwischen Dana und Justin aber in den Hintergrund. Außerdem bleibt man als LeserIn ständig gespannt, wie und ob sich die Beziehung zwischen Leon und Tia entwickeln wird – so ist man bis zuletzt angehalten, immer weiterzulesen.



Abgesehen davon bringt auch der Inhalt eine große Menge an Spannung mit sich. Neben der Tatsache, dass man als LeserIn von Anfang an weiß, dass Bringshaus und Böttcher etwas mit der Sache zu tun haben, baut der Autor immer wieder brenzlige Situationen ein, die beim Lesen einfach Aufregung erzeugen müssen – wenn beispielsweise angekündigt wird, dass der Grundwasserspiegel in der Höhle immer mehr steigt, oder wenn Leon von der Gruppe getrennt wird und knapp vor dem Erfrieren steht. So ist man stets dazu angehalten, absolut gespannt darauf weiterzulesen, wie und ob diese Situationen irgendwie bewältigt werden können.



**4)    ** **Kritik**



Das Cover des Thrillers ist besonders ansprechend und zeigt das, was der Titel besagt: das Geflecht, im Hintergrund davon eine umwucherte Person. Genau darum geht es in weiten Teilen des Werks, sodass man wirklich einen ersten Eindruck von der Handlung erhält. Zudem sind die einzelnen Stränge und Verästelungen des Geflechts am Cover hervorgehoben, sodass man sie gut erfühlen kann, was sich angenehm anfüllt und einen sehr professionellen Eindruck macht. Man könnte hier vielleicht interpretieren, dass diese Gestaltung des Titelbilds irgendwie mit der Blindheit der Hauptperson Tia zusammenhängt, die das Geflecht ebenfalls nur erfühlen kann, wie weit der Autor das allerdings bezweckt hat, muss offen bleiben.



Der Titel entspricht eigentlich nicht ganz dem tatsächlichen Inhalt. Es handelt sich im Grunde nicht um ein „Geflecht“, sondern um einen Pilz, der dieses bildet, und im größten Teil des Werks ist auch nicht von einem Geflecht die Rede. Vielmehr werden Fachbegriffe wie „Myzel“ verwendet, die jedoch allesamt kompetent erklärt werden.



**5)    ** **Empfehlung**



Das Buch ist definitiv wert, gelesen zu werden! Die Handlung ist durchwegs äußerst spannend, außerdem gibt es eine große Liebesgeschichte und wer Interesse an alten Höhlen und damit verbundenen Entdeckungen hat, ist hier richtig aufgehoben. Absolut zu empfehlen!

Rezension: Chris Carter - Der Knochenbrecher

Was ist wahre Liebe?

** Inhalt**



Die Detectives Hunter und Garcia übernehmen die Ermittlungen in einem bestialischen Mordfall: Nicht nur, dass der aufgefundenen Leiche Mund und Vagina zugenäht wurden, jemand hat auch noch eine Bombe in ihren Unterleib eingeführt, die inmitten des Polizeigebäudes hochgeht und einen Pathologen mit seinem Assistenten tötet. Als daraufhin noch weitere Frauen vermisst gemeldet werden, die sich alle sehr ähnlich sehen, steht fest: Hier muss ein Serientäter am Werk sein, der sich seine Opfer ganz gezielt aussucht.

Die beiden Ermittler stehen von Beginn an vor dem Rätsel, welches Ziel der Täter mit seinen Morden verfolgt. Fest steht, dass er keinem der Opfer auch nur ein Haar krümmt – bis auf die Tatsache, dass er verschiedene Gegenstände in sie einführt, die auf unglaublich bestialische Art und Weise dafür sorgen, dass die Frauen sterben. Was haben die Opfer gemeinsam? Wieso sucht er gerade Künstlerinnen aus?

Alle Fragen klären sich allmählich, als Robert Hunter einen 20 Jahre alten Fall ausgräbt, der erschreckende Parallelen mit dem aktuellen aufweist, während Carlos Garcia Zeitungsberichte über die vermissten Künstlerinnen entdeckt, in denen sie Details zu ihrer Auffassung von Liebe preisgeben.



Was ist Liebe wirklich?



**Sprache und Stil**



Eigentlich wird die gesamte Erzählhandlung aus der Sicht des Protagonisten Robert Hunter erzählt – so erlebt man alles mit, was ihm passiert, und lernt ihn im Laufe der Handlung gut einzuschätzen. Hin und wieder jedoch schleichen sich auch Gedankengänge anderer Personen in die Schilderung ein, was mancher aufmerksame Leser vielleicht als störend empfinden könnte.



Spannung wird in dem Thriller dadurch erzeugt, dass jedes der zahlreichen Einzelkapitel mit einer Phrase endet, die für die LeserInnen Fragen aufwirft oder offen lässt, welche erst in einem der nachfolgenden Kapitel beantwortet werden. Zwar ist man auf diese Weise tatsächlich dazu angehalten, schnell weiterzulesen, jedoch wirkt es auf Dauer etwas unbefriedigend, dass jedes einzelne Kapitel brennende Fragen offen lässt. Allerdings werden sämtliche Unklarheiten und Handlungsstränge bis zum Ende des Buchs aufgeklärt.







**Kritik**



Durch die sehr genaue Schilderung der verschiedenen brutalen Formen, wie die Frauen in diesem Thriller zu Tode kommen, wird man gezwungen, sich sämtliche der dargebotenen Situationen im Detail vorzustellen. Daher sollte man Nervenstärke bewahren. Der Thriller arbeitet nicht nur mit physischer Gewalt und deren Darstellung, sondern bedient sich vor allem auch einer psychologisch-emotionalen Komponente, wenn sich der Killer beispielsweise in der Wohnung der Opfer unter dem Bett versteckt. Hier werden menschliche Urängste aufs Äußerste strapaziert.



Die unterschiedlichen Tötungsarten, die der Autor aus einem scheinbar unerschöpflichen Fundus von Ideen entnimmt, sind nicht nur grotesk und äußerst brutal, sondern auch tatsächlich enorm einfallsreich. Außerdem erweckt die gesamte Schilderung dein Eindruck, als hätte der Autor bestens über die kriminalistische Ermittlungsarbeit recherchiert und weitgreifende Einblicke in die psychologische Komponente dieses Berufsstandes erhalten.



Während das Cover einen sehr treffenden Einblick auf die spätere Grausamkeit der Handlung offenbart, hat der Titel selbst nur wenig mit dem späteren Inhalt zu tun. Man kann den Killer als vieles bezeichnen, jedoch sicherlich nicht als „Knochenbrecher“. Im englischen Original lautet der Titel treffender „The Night Stalker“.



**Empfehlung**



Ein Thriller, der bewegt! Auch nach Abschluss der Lektüre wird man noch länger über die eine oder andere Szene nachdenken. Da das Buch auf seine ganz eigene Art und Weise Spannung bis zu den letzten Seiten transportiert, ist es jedoch nicht sonderlich ratsam, es nachts alleine in dunklen Wohnungen zu lesen. Ganz darauf verzichten sollte man aber keinesfalls!

Rezension: Siegfried Langer - Sterbenswort

Ohne ein Sterbenswort

Eine Gruppe von Freunden ist im Schneetreiben unterwegs und schleppt einen Toten mit sich – Erik Stein. War sein Tod ein Unfall? Dass sie die Leiche aus Angst um ihre eigene Zukunft kurzerhand verschwinden lassen, wird die vier ihr Leben lang verfolgen.

Aber ist Erik wirklich tot? Denn 10 Jahre später geschehen plötzlich beunruhigende Dinge – in Kathrins Wohnung wird eingebrochen, Heinrichs Frau wird bedroht, Amelie glaubt, Erik leibhaftig gesehen zu haben und Thomas wird verrückt. Der todgeglaubte Erik scheint jeden ihrer Schritte zu kennen und zu beobachten. Doch eine Frage bleibt: Was bezweckt das Phantom?

Sprachlich ist das Werk gut gelungen, es lässt sich sehr angenehm lesen. Die Wortwahl zeichnet sich durch wenige Fremdwörter aus, stattdessen greift der Autor auf eine alltagsnahe und daher sehr realistische Ausdrucksweise zurück. Das ermöglicht es einerseits, sich gut in die Protagonisten einzufühlen, andererseits lässt sich der Thriller daher auch ohne große Anstrengung in kurzer Zeit lesen.

Der Thriller arbeitet mit zahlreichen sehr kurzen – und kurzweiligen! – Kapiteln, die zur schnellen Lesbarkeit des Buches beitragen. Zudem erhält man so einen guten Überblick über alle gegenwärtigen und vergangenen Ereignisse. Hinzu kommt, dass die Vergangenheits-Kapitel im Gegensatz zur Gegenwart nicht chronologisch geordnet sind, sodass keine wichtigen Informationen zu früh verraten werden.

Der Thriller lockt den Leser etwa im zweiten Drittel auf eine mögliche Fährt, die zur Lösung führen könnte. Der Autor bietet einen offensichtlichen Weg an, der so früh im Buch natürlich nicht zum korrekten Ende führen kann …

Der Thriller wird seinem Titel absolut gerecht und vermittelt während der gesamten Handlung das Gefühl, als wäre man selbst mitten dabei. Damit ist das Buch absolut lesenswert – von Anfang bis Ende permanent spannend!

Rezension: Simon Beckett - Verwesung

Anders, als du denkst...

1) Inhalt

Jerome Monk ist ein verurteilter Serienmörder, der mehrere Mädchen umgebracht und im Moor vergraben wird – jedoch weigert er sich, den Standort der Gräber preiszugeben. Dr. David Hunter, forensischer Anthropologe und Berater der Polizei, ist dabei, als eines der Mädchen durch Zufall entdeckt und ausgegraben wird: Es handelt sich offensichtlich um Monks zweites Opfer. Erstaunlicherweise erklärt er sich daraufhin bereit, auch den Standort der beiden anderen, noch nicht gefundenen Leichen preiszugeben. Die Polizei fürchtet um ihren Ruf, wenn die Mädchen nicht bald entdeckt werden, und geht auf das Angebot ein – ein Fehler, wie sich bald herausstellt, denn Monk gelingt die Flucht.

Acht Jahre lang ist Monk wie vom Erdboden verschluckt. Dann jedoch geht plötzlich alles sehr schnell: Das Ermittlungsteam von damals gerät in sein Visier, es kommt zu Einbrüchen und Morden. Schnell ist klar: Jetzt muss gehandelt werden! Obwohl inzwischen jeder der ehemaligen Teammitglieder eigene Wege gegangen ist, kommen alle wieder zusammen und nehmen die Ermittlung von Neuem auf. Und jetzt ist klar: Monk muss aufgehalten werden!

2) Kritik

Besonders gut gelungen ist die Charakterdarstellung des Serientäters Monk. Man kann sich von Anfang an gut vorstellen, wie dieser Mann aussieht oder wie er sich verhält, was es auch deutlich erleichtert, sich in die Gedanken und Handlungen der anderen Protagonisten hineinzuversetzen. Überhaupt gelingt es dem Autor durchwegs sehr gut, situative Begebenheiten, Personen und Schauplätze spannend und anschaulich zu schildern. Man kann sich von der ersten Seite an alles bildlich vorstellen, was einen Teil der Spannung des Werks ausmacht.

Der Titel des Thrillers ist sehr passend gewählt, da die Leichen der Opfer von Jerome Monk allesamt unter der Erde liegen und eben langsam verwesen. Auch im Werk selbst wird immer wieder darauf Bezug genommen, wenn zum Beispiel davon die Rede ist, dass der Verwesungsgeruch eines Dachses den Geruch der Leiche einer Bennett-Schwester überdeckt. Auch im Gespräch mit dem Pathologen Wainwright wird deutlich, dass der Autor ausführlich recherchiert hat und sich im Gebiet der Forensik und Pathologie gut auskennt.

Vor allem gegen Ende des Thrillers geschehen zahlreiche Aktionen Schlag auf Schlag – der Höhepunkt der Spannung wird zu dem Zeitpunkt erreicht, als David Hunter in den letzten Kapiteln persönlich auf Monk trifft. Ab diesem Punkt an stellt sich nur noch die Frage, zu welcher Konsequenz diese Begegnung schließlich führen wird. Die Lösung, die der Autor dafür findet, ist gleichsam genial und grausam.

3) Empfehlung

Das Buch ist absolut lesenswert, man hält sowohl einen Einblick in die Arbeit der Polizei in der Hand, als auch eine empfehlenswerte Lektüre für spannende Stunden. Auch, wenn man die anderen Teile der David-Hunter-Serie nicht kennt, ist das Buch verständlich und setzt kein Wissen voraus. Allerdings wird man nach diesem Thriller garantiert auch die anderen Bücher lesen!

Rezension: Jamie Freveletti - Emmas Angst

Mexikanischer Killervirus

1) Inhalt

Eigentlich war die Chemikerin Emma Caldridge ja im mexikanischen Dschungel unterwegs, um spezielle Nachtpflanzen zu suchen – jetzt sitzt sie als Entführungsopfer im Basislagen des Drogenbosses La Valle fest. Allerdings liegt ihre Lebenserwartung deutlich höher als bei anderen entführen Frauen in Mexiko – La Valles Hanfpflanzen leiden an einer unbekannten Krankheit, die auch Menschen befällt, und als Chemikerin kann sie diese vielleicht benennen und heilen.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Emma muss es binnen sieben Tagen geschafft haben, eine Lösung für das Problem zu finden, denn La Valles Geliebte ist ebenfalls infiziert und die Erfahrung hat die Drogenproduzenten gelehrt, dass diese Infektion maximal neun Tage zu überleben ist. Es gibt dabei nur ein Problem: in La Valles Lager gibt es weit und breit kein entsprechendes Labor. Also bleibt nur eine Möglichkeit: Emma muss zurück in die USA, und das natürlich heimlich und unentdeckt, ohne ihre Leute zu warnen – schließlich befindet sie sich noch immer in La Valles Gewalt …

2) Kritik

Von Anfang bis Ende überschlagen sich die Ereignisse, man hat ständig das Gefühl, unbedingt weiterlesen zu müssen. Besonders auf den letzten paar Seiten kommt es zu überraschenden Wendungen und beinahe alle offenen Fragen werden aufgeklärt. Nicht angesprochen wird nur die Tatsache, dass in Mexiko weiterhin kranke Hanfpflanzen wachsen, die La Valle oder seine Nachfolger vermutlich auch weiterhin verkaufen werden. Auch, ob alle Lieferungen gestoppt werden konnten, bleibt unbeantwortet. Hier wäre es spannend gewesen, noch ein paar Infos zu bekommen, jedoch hätte das vermutlich den Rahmen des Buchs gesprengt.

Im Klappentext ist davon die Rede, dass Sumner – der Mann, der Emma liebt – sich auf die Suche nach ihr macht. Im Buch selbst ist davon allerdings nur wenig zu spüren, es ist sogar so, dass Sumner bis auf die letzten Seiten des Thrillers eigentlich so gut wie gar nicht in Erscheinung tritt, auch wirkt die Beziehung der beiden eher geschäftlich als Privat. Von Liebe kann kaum die Rede sein. Womöglich möchte der Klappentext hier nur andere Lesergruppen ansprechen, als es mit anderem Inhalt der Fall gewesen wäre.

Obwohl Emma eigentlich die meiste Zeit über ziemlich frei ist, verschiebt sie ihre Flucht stets nach hinten. Das erhöht zwar ständig die Spannung, wirkt jedoch ein wenig realitätsfern. Auch die Tatsache, dass Oz deutlich mehr Vertrauen entgegengebracht wird, obwohl er eigentlich nur ein Neuling ist, ist fragwürdig – aber wenn schon, dann hätte wenigstens er versuchen können, die Behörden in Amerika zu informieren.

3) Empfehlung

Der Thriller ist sehr spannend und actionreich geschrieben und die Handlung wird durch ständige Geschehnisse vorangetrieben, sodass niemals Langeweile aufkommt. Das macht das Buch wirklich lesenswert!

Rezension: Viveca Sten - Tod im Schärengarten

Segeln kann gefährlich sein

1) Inhalt

Oscar Juliander wird vor den Augen hunderter Zuschauer erschossen – genau in dem Moment, als der Startschuss zur berühmten Segelregatta vor den schwedischen Schäreninseln fällt. Hat ihn einer seiner Konkurrenten aus dem Weg geräumt? Denn Juliander galt als Favorit …

Die Ermittlungen, die Thomas Andreasson gemeinsam mit seiner Kollegin Margit Grankvist leitet, verlaufen ziemlich schnell im Sand. Zwar stellt sich heraus, dass Juliander Drogen konsumiert hat und auch in Bezug auf Frauen trotz seiner Ehe kein unbeschriebenes Blatt gewesen ist, jedoch bringen diese Erkenntnisse die Polizei keineswegs weiter. Julianders Ehefrau scheint von Oscars Verfehlungen Bescheid gewusst zu haben, wirkt aber in keiner Hinsicht so, als hätte sie ihn aus dem Weg räumen wollen. Ob eine andere seiner Liebschaften mit dem Mord zu tun hat? Der Verdacht erhärtet sich, als Julianders Sekretärin Droh-Emails bekommt.

Nebenbei gibt es da Nora, Thomas’ Jugendfreundin, die ein altes Haus geerbt hat und es um keinen Preis verkaufen will – obwohl Schweizer Interessenten dazu bereit wären, mehrere Millionen für das Gebäude auf den Tisch zu legen. Noch dazu hat Tante Signe letztes Jahr zwei Personen und sich selbst umgebracht, weil sie das Haus keinesfalls aufgeben wollte …

2) Sprache / Stil

Im Laufe des Romans fällt vor allem die Gliederung auf: Die einzelnen Kapitel werden noch einmal in Tage und Wochen unterteilt. So hat man ständig einen Überblick, an welchem Tag in welcher Ermittlungswoche sich die Handlung gerade befindet. Es fällt jedoch auf, dass mit zunehmendem Fortgang der Erzählung auch die Anzahl der Kapitel pro Tag und Woche deutlich schrumpft – während zu Beginn noch ziemlich viel in kurzer Zeit abläuft, wird später nicht nur inhaltlich, sondern auch formal deutlich, dass die Ermittlungen langsam immer mehr im Sand verlaufen.

Eine weitere stilistische Eigenart des Romans stellen die inneren Monologe dar, die die Handlung immer wieder unterbrechen. Es handelt sich offensichtlich um die Erlebenswelt eines Mannes, der seinen Werdegang vom kleinen Jungen über seine Hochzeit und die Geburt seiner Kinder bis hin zur Gegenwart beschreibt. Um wen es sich tatsächlich handelt, wird erst im letzten Monolog klar – bis dahin gibt es mehrere Protagonisten, auf welche diese Lebensgeschichte zutreffen könnte. Die Schilderung und ihre Auflösung am Ende sind der Autorin besonders gut gelungen und erhöhen die Gesamtspannung bis zum Ende deutlich.

3) Kritik

Die Beziehung zwischen Nora und Henrik wird im Gegensatz zu manch anderen Personenkonstellationen sehr anschaulich und realistisch gezeichnet. Als LeserIn kann man sich nach der Vorgeschichte vor allem in Henriks Position hineinversetzen, der Signes Haus um jeden Preis verkaufen will. Noras wenig sympathische Verbohrtheit ist der Autorin stilgerecht gelungen und trägt dazu bei, sich mehr und mehr mit dem Inhalt des Romans zu identifizieren.

Trotz dieser positiven Aspekte tun sich jedoch auch manche Ungereimtheiten auf. Die Schilderung der Ermittlungsarbeit erscheint hin und wieder absichtlich in die Länge gezogen – beispielweise dann, als Andreasson und Grankvist versuchen, die teilnehmenden Schiffe der Segelregatta auf einer Fotographie zu identifizieren. Hier mühen sich die Protagonisten auf umständliche Weise seitenlang ab, anstatt einfach ein Mitglied des KSSS zu Rate zu ziehen.

4) Empfehlung

Der Roman wirkt auf der einen Seite langatmig und wenig spannend, präsentiert am Ende jedoch eine sehr gelungene und durchaus überraschende Auflösung des Falls. Es lohnt sich also, den mühsamen Leseweg auf sich zu nehmen.

Rezension: Susanne Staun - Totenzimmer

Psychose sucht Lepra

Gleich beim ersten Anblick des Buches fällt einem das eindrucksvolle Design des Umschlags ins Auge. Das Papier wurde an zwei Stellen durchtrennt, Blut scheint durch die Schnitte zu schimmern. Die wahre Brillanz enthüllt sich allerdings erst beim Herunternehmen des Papiereinbands: Während der Umschlag weiß ist und zweimal gespalten wurde, ist der harte Buchrücken blutrot und schimmert durch den Einband. Man fühlt sich bereits mitten in den Krimi hineinversetzt.

Dr. Martina Krause arbeitet als Rechtsmedizinerin in einem dänischen Institut, in welches sie am Anfang des Buches gemeinsam mit ihrer besten und einzigen Freundin Nkem transferiert hatte. Ihr neuester Fall gibt einige Rätsel auf. Die orangen Abdrücke auf der mit Stichwunden übersäten Haut der Opfer stammen vom Schweiß des Täters und enthalten Clofazimin, ein Lepramittel. Doch einen Fall von Lepra gab es in Dänemark schon seit Jahren nicht mehr. Praktisch alleine begibt sich Dr. Krause auf die Suche nach dem grausamen Serientäter, während dieser noch versucht, ihr Angst einzujagen. Doch so leicht lässt diese sich nicht unterkriegen, denn ihre psychische Störung macht sie praktisch unempfindlich gegen Angstzustände. Der Fall macht ihr bloß zu schaffen, weil eines der Opfer ihrer Tochter ähnlich sieht, ein Mädchen namens Emilie, das sie sich bloß eingebildet hat…

Die Geschichte beginnt sehr spannend und wirft anfangs geschickt viele Rätsel, wie das Lepramittel und die psychische Störung der Hauptprotagonistin auf. Durch die Erzählung aus der Ich-Perspektive erlebt man den Krimi hautnah mit. Zwischendurch liest man Tagebucheinträge des Täters, welche die tiefen Abgründe seiner Persönlichkeit herausstellen, weshalb man noch stärker mit Dr. Krause mitfiebert. Gegen Ende des Buches ist der Fall allerdings praktisch aufgeklärt, man wartet eigentlich nur noch auf die Festnahme des Täters. Trotzdem gelingt es der Autorin mit einer geschickten Wende noch einmal, Spannung aufzubauen. Die psychische Störung der Rechtsmedizinerin gerät im Laufe des Geschehens immer weiter in den Hintergrund, möglicherweise eine Andeutung, dass Dr. Krause langsam in die Realität zurückfindet.

Alles in Allem ein gutes Buch, teilweise allerdings nicht für schwache Nerven bzw. Mägen geeignet.

Rezension: Aline Kiner - Galgenmann

Schweigende Vergangenheit

1) Inhalt

Simon Dreemer wird aus dem belebten Paris mitten ins Nirgendwo strafversetzt, nach Varange ins Vorstadtgebiet, wo es nichts gibt und sich nichts tut – bis auf die Serie ungeklärter Mordfälle, deren Spuren bis in die dunkle Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg zurückzureichen scheinen.
Unter der Leitung von Kommissar Kowalski beginnt Dreemer gemeinsam mit Jeanne Modover zu ermitteln. Irgendetwas scheint diese zu verbergen – erst nach und nach kommt heraus, dass sie als Kind hier aufgewachsen und später fortgegangen ist. Mit ihrer Rückkehr scheint sie selbst nicht sonderlich glücklich zu sein. Und dennoch ist es gerade dieser Umstand, der den Kontakt zu den schweigsamen Dorfbewohnern langsam herstellt.
Modover und Dreemer decken Schritt für Schritt alte Bergbau-Fehden auf – vor Jahren war unsauber gearbeitet worden, jetzt droht noch dazu eine Überflutung der alten Anlagen. Handelt es sich um einen Racheakt, dass gerade die Enkelin eines früheren Bergbauers umgebracht worden ist? Und welchen Zusammenhang damit hat die Ermordung eines weiteren Mädchens, das dieser sehr ähnlich sieht?

2) Sprache / Stil

Die sprachliche Gestaltung des Werks verläuft linear und unkompliziert – wer verschachtelte Handlungsstränge und verschiedene Einzelgeschichten erwartet, wie sie in Kriminalromanen oft angeboten werden, wird hier enttäuscht. Die Erzählperspektiven der einzelnen Protagonisten sind alle klar miteinander verwoben und lassen nur wenig Spielraum für überraschende Wendungen. Auch die Geschichte um Simon Dreemer und dessen Vergangenheit ist wenig spannungsreich geschildert, obwohl der Grund für seine Strafversetzung erst ziemlich spät im Werk erläutert wird.
Gut gelungen ist die Gestaltung der einzelnen Kapitel, deren Gliederung nicht nur in Tage, sondern auch in Uhrzeiten erfolgt. So hat man stets einen guten Überblick darüber, wann die aktuelle Handlung gerade spielt.
Meiner Meinung nach führt die Autorin zu viele Protagonisten in ihrem Werk ein, sodass man schnell den Überblick verliert. Dadurch entstehen zwar verschiedene Handlungswege, welche jedoch wenig kreativ und überschaubar bleiben. Zudem mildert die Autorin die Spannung durch ungeschickte Vorgehensweisen, wenn sie beispielsweise interessante Stellen (wie z. B. die Rettung aus dem Stollen) einfach überspringt und nur das Endergebnis präsentiert.

3) Empfehlung

Leider ist das Werk insgesamt nur wenig spannend und bietet kaum überraschende Wendungen an. Die Zeichnung der Protagonisten bleibt oberflächlich und wird so einem nur durchschnittlichen Kriminalroman kaum gerecht.

Rezension: Janet Edwards - Earth Girl. Die Prüfung

Die Ruinen der Zukunft

Die Welt, ein paar hundert Jahre in der Zukunft. Die Menschheit hat die Erde verlassen und reist mittels Portalen auf andere Planeten. Nur eine kleine Gruppe von Menschen lebt noch auf der Erde – die Behinderten. Ihr Immunsystem kann durch einen unbekannten Fehler nicht auf anderen Planeten überleben. Als Ausgestoßene der Gesellschaft leben sie meist als Waisenkinder, es ist gang und gebe, seine behinderten Kinder im Hospital Earth abzugeben.

Jarra ist ein Earth-Girl, eine Behinderte oder ein Affenmädchen, wie sie sich selbst als Schimpfwort nennt. Ihre Minderwertigkeit hat sie nie ganz verkraftet, weshalb sie beschließt, auf der Universität eines anderen Planeten zu studieren. Da sie gerne Geschichte als Hauptfache belegen möchte, ist das für sie möglich, denn alle Vorgeschichtskurse finden auf Ausgrabungsstätten der Erde statt. Natürlich bewirbt sie sich bloß auf der Asgard University, um sich selbst und den „Normalen“ zu beweisen, dass eine Behinderte genauso brillant sein kann, wie jeder andere auch. Daher erfindet sie eine falsche Militärtochter-Hintergrundgeschichte für sich, um die anderen zu täuschen, später will sie ihren Mitstudenten ihren Irrtum unter die Nase reiben. Doch die „Normalen“ sind dann doch nicht so übel wie Jarra dachte und sie muss einen Weg aus ihrer Situation suchen.

Bei dem Buch handelt es sich um einen Zukunftsroman, eine Fantasygeschichte und ein Jugendbuch. Während die Sprache auf Deutsch etwas seltsam und bemüht jugendlich wirkt, passt der Stil jedoch im englischen Original deutlich besser, weshalb es sich wohl um ein Übersetzungsproblem handelt. Die Geschichte an sich ist sehr nett gewählt, mit einer kleinen Liebesgeschichte als Beigabe. Obwohl das Buch sehr dick ist, hat man es in unglaublicher Geschwindigkeit durchgelesen, weil man es kaum weglegen kann.
Was allerdings auffällt ist, dass die Behinderten so benachteiligt sind. Es wirkt relativ unglaubwürdig, dass Menschen der gesellschaftliche Abschaum werden könnten, nur weil sie auf anderen Planeten nicht überleben können. Abgesehen davon gibt es scheinbar auch keinerlei Bemühungen, den Behinderten zumindest Besuche auf anderen Planeten durch Schutzanzüge oder Atemgeräte zu gewähren.
Außerdem scheint es unklar, worauf sich der Titel „Die Prüfung“ bezeiht, genauso wie die Aussage des Klappentextes, es gäbe ein Problem, welches nur Jarra zu lösen in der Lage wäre.

Der größte Nachteil des Buches ist allerdings die Tatsache, dass die anderen beiden Teile der Trilogie erst 2013 und 2014 herauskommen sollen, man kann es kaum erwarten. Für Fantasybegeisterte, junge, wie auch ältere Leser auf jeden Fall zu empfehlen.

Rezension: Daniel Annechino - Keine Gnade

Der Reanimator - Mörder als sympatischste Figur

Wieso wollte ich dieses Buch überhaupt? Die anfängliche starke Ähnlichkeit zum phänomenalen Thriller „Der Knochenbrecher“ von Chris Carter vergeht ziemlich schnell – was bleibt ist ein Krimi mit wenig Spannung, schließlich kennt man den Mörder sowie seine Beweggründe von Anfang an.

Julian ist Herzchirurg und arbeitet an einem Forschungsprojekt für neue Operationsmethoden. Da seine legalen Methoden ausgeschöpft sind, kidnappt er fremde Menschen, um seine Test an deren Herzen durchzuführen und ihre Leichen dann irgendwo zu deponieren. Während der Zeit verliert er all seine Skrupel und wird zum brutalen Mörder.
Detectives Sami Rizzo und Al Diaz sind privat ein Paar und arbeiten zusammen an der Aufklärung der Morde des „Reanimators“, wie die Presse ihn nennt. Während ihre Ermittlungen nur schleppend vorankommen – wieso auch nicht, als Leser weiß man schließlich bereits alles über die Morde – fokussiert das Buch stark auf das Privatleben der beiden Ermittler, eine langweilige und mühsame Geschichte. Beide sind wenig sympathisch, Al als typisches Männerarschloch und Sami als schwache dumme Frau. Am Schluss will man beide eigentlich nur noch erschlagen und – so schlimm es scheint – Julian ist der Lieblingscharakter in diesem Buch, die Spannung entsteht lediglich daraus mitzufiebern, ob er die Morde vertuschen können wird.
Sprachlich überzeugt der Autor bzw. der Übersetzter kein bisschen. Ständige Inhalts- und Wortwiederholungen lassen das Buch holprig und unausgereift erscheinen, so als hätte es sich der Autor nicht noch einmal durchgelesen. So wird innerhalb eines Kapitels mindestens dreimal erwähnt, dass Sami alle Ärzte vor Dr. Templeton kalt vorkamen, später wiederholt sich das Wort OP gut 10 Mal innerhalb eines kurzen Absatzes.

Alles in Allem ist der Thriller unnötig lang, hat zu viele belletristische Einflusse und lässt Spannung vermissen. Zudem werden die Grundfesten der Emanzipation erschüttert – mehrmals – und bestätigen alle Einwände von Arbeitgebern, je Frauen im gebärfähigen Alter zu beschäftigen. Ein Buch, in welchem der Mörder noch der sympathischste Charakter ist.

Rezension: Tricia Rayburn - Im Zauber der Sirenen

Der Gesang der Sirenen

Vanessa hatte immer schon Angst. Angst im Dunkeln, Höhenangst, seit kurzem sogar Angst davor, ins Wasser zu gehen. Seit sie vor zwei Jahren nach einem Badeunfall ganze 34 Minuten unter Wasser verbrachte – und auf mysteriöse Weise überlebte – verbringt sie den jährlichen Sommerurlaub am Meer in Winter Harbor lieber außerhalb des Wassers. Über all ihre Ängste hat ihr stets ihre Schwester Justine hinausgeholfen, weshalb deren plötzlicher Tod eine tiefe Leere in Nessas Leben schneidet. Alles deutet auf einen Badeunfall hin, doch die mysteriösen Umstände machen Nessa stutzig. Wieso sollte ihre Schwester mitten in der Nacht bei unruhigem Meer Klippentauchen gehen?
Hilfe bei der Aufklärung erhofft sie sich bei der letzten Person, die Justine lebendig gesehen hat, deren Sommerliebe Caleb. Also kehrt Vanessa nach Winter Harbor zurück, nur um von Calebs Bruder Simon zu erfahren, dass dieser verschwunden ist. Auf ihrer anschließenden Suche finden Vanessa und Simon heraus, dass sie wohl nicht soviel über ihre Geschwister wussten, wie sie dachten. Und auch Winter Harbor birgt so manches Geheimnis, nicht zuletzt die wunderschönen Sirenen, welche hier verborgen leben…
Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine mystische Reise in eine wundersame Märchenwelt. Das Buch ist gut durchdacht und lässt am Ende keine Fragen offen. Im Gegenteil erscheint die Geschichte fast glaubhaft, trotzdem ist der Roman eher magisch und nicht gruselig.
Obwohl das Buch mittlerweile schon zwei Jahre auf Deutsch erhältlich ist, gibt es nur einen weiteren veröffentlichten Band. Wer also gerne weiterlesen möchte, sollte wohl eher auf die schon ca. fünf englischen Fortsetzungen zurückgreifen.

Rezension: Andreas Winkelmann - Wassermanns Zorn

Gerechtigkeit siegt?

Kriminalhauptkommissar Eric Stiffler erhält plötzlich Anrufe von einem mysteriösen Mann, welcher sich „Der Wassermann“ nennt. Er ruft vom Handy von Erics Geliebter an und erklärt „sie badet!“. Im Alleingang macht Stiffler sich auf die Jagd nach dem Verbrecher – und findet bloß Anabelles Leiche.
Die neue Praktikantin Manuela Sperling soll Stiffler bei diesem Fall assistieren, doch dieser verhält sich bloß als frauenfeindlicher Arsch und hält Informationen vor ihr zurück, um sie gegen eine Mauer laufen zu lassen. Aber weiß er nicht doch mehr über den Wassermann, als er zugibt?

In einem aufregenden Thriller verarbeitet der Autor sein eigenes Nahtoderlebnis im Wasser. Der Wassermann stellt einen mysteriösen und überlegenen Gegner dar, welcher der Polizei immer einen Schritt voraus ist.
Der Name Stiller zaubert jedem Zuseher der American Pie Serie sofort ein Lächeln aufs Gesicht. Doch trotz des nennen Namens sieht man bald ein, das der Kriminalhauptkommissar ein korrupter Polizist und Alkoholiker ist, welcher die Rache des Wassermanns mehr als nur verdient hat.
Rätselhafter erscheint die gurgelnde, nass klingende Stimme des Wassermanns, welche am Anfang beschrieben, später aber nicht mehr erwähnt wird. Dies verleiht dem Bösewicht anfangs eine mysteriöse und gruselige Aura.
Zwischendurch wird die Geschichte durch Rückblicke in die Vergangenheit des Wassermanns unterbrochen, wodurch noch mehr Spannung aufgebaut wird.

Wer wieder einmal einen gelungenen spannenden Krimi und Thriller erleben will, sollte sich dieses Buch auf keinen Fall entgehen lassen.

Rezension: Stephan Ludwig - Zorn - Vom Lieben und Sterben

Biblische Morde

Ein Teenager wird tot aufgefunden. Beim Downhill-Mountainbiken wurde ihm, mit einem über den Weg gespannten Draht, der Kopf abgerissen. Dass das kein Unfall gewesen sein konnte, ist offensichtlich. Hauptkommissar Zorn und sein Untergebener Schröder machen sich an die Lösung des Falls. Als ein Freund des Verstorbenen bedroht wird, scheint der Fall klar, doch dann passieren noch mehr merkwürdige Ereignisse im Freundeskreis des Opfers. Nichts ist, wie es scheint.
In vielen längeren und kürzeren Kapiteln werden die Ereignisse aus verschiedenen Blickpunkten erzählt, meistens folgt die Handlung allerdings Hauptkommissar Zorn. Man erfährt oft die Gedanken der Protagonisten und kann dem Geschehen sehr gut folgen. Für die verschiedenen Personen wurde eine authentische Sprache verwendet. Zwischen den Kapiteln folgen mehrmals kurze Absätze, fast wie Gedichte, welche offenbar die Gedanken des Täters wiederspiegeln und ein mulmiges Gefühl erzeugen. Die schlecht gewählte Grammatik und die Aussagen in diesen Zeilen lassen den Täter verrückt und unheimlich erscheinen.
Das Buch lässt von Anfang bis Schluss nichts an Spannung vermissen. Ernsthafte Vermutungen über die Identität des Täters lassen sich erst sehr spät anstellen, und auch ganz am Ende lauern noch einige Überraschungen. Leider lässt sich die Rezension nur sehr kurz zusammenfassen, da es fast unmöglich ist, den Inhalt wiederzugeben, ohne die Handlung vorwegzunehmen. Ein gelungener Thriller.

Rezension: Martin Balluch - Im Untergrund

Ein Tierrechtsroman aus dem wahren Leben Inhalt: Der Roman beginnt im Jahr 1989. Paul zieht von Österreich nach England, um an der Univer...